Systemische Beratung Familientherapie Coaching System Theorie

System-Theorie | Systemische Beratungs-Arbeit

Systemisch und System sind zu Modebegriffen unserer Alltagssprache geworden. Insbesondere im Bereich von Coaching und Beratung werden beide Begriffe als Qualitätsmerkmale benutzt, auch wenn das angebotene Beratungsprodukt alles andere als systemisch ist.

Systemische Beratung, Systemisches Coaching ist bestimmt von systemischem Denken. Im vergangenen Jahrhundert wurde das Denken in linearen Kausalitätsketten zunehmend durch die Annahme zirkulärer Bedingungsgefüge abgelöst. Systemisches Denken setzte sich durch. Die Abkehr vom Denken in linearen Beziehungen hin zum Denken in zirkulär agierenden und vernetzten Beziehungen vollzog sich unabhängig voneinander in verschiedenen Wissens-und Handlungsbereichen nahezu zeitgleich Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Kosmologie, Meteorologie und der Chaosforschung sind Pointcaré, Lorenz und Mandelbrot zu nennen. In der Biologie haben Charles Darwin und Jean-Henri Fabre die Grundsteine gelegt. Es folgten Jacob Johann v. Uexküll, Humberto Maturana und Karl Ludwig von Bertalanffy. Einige wichtige Namen aus den Sozialwissenschaften sind Kurt Levin, Fritz Perls, Gregory Bateson, Virginia Satir, Maria Selvini Palazzoli, Paul Watzlawick, Salvador Minuchin und Niklas Luhmann. Auch im Bereich der Technik und der Wirtschaftswissenschaften setzte sich systemisches Denken durch.

Systemisches Denken ist Denken in Beziehung- beziehungsweise Wirkungs-Netzen. Im systemischen Denken werden die Wirkzusammenhänge in mehreren Dimensionen, die senkrecht aufeinander stehen, gleichzeitig beachtet. Entlang der Zeitachse werden Geschichte, Gegenwart und Zukunft in die Überlegungen einbezogen. In der Breite geht es um Person, Familie, Gemeinwesen und Staat. In der Tiefe wird das Ineinanderwirken von Mensch, Organ, Zelle, Molekül beachtet. Dabei ist der Betrachter,in unserem Falle der Berater, immer Teil des Systems. Das heißt, dass alle Vorgänge in dem Gesamtsystem auch ihn beeinflussen. Er sieht  immer nur einen Teil des gesamten und beeinflusst seinerseits das Gesamtsystem. Je nach Standpunkt in Ort und Zeit ergeben sich unterschiedliche Perspektiven, Bilder und Hypothesen.

Da es sich bei sozialen Systemen immer um offene Systeme handelt, gilt der Grundsatz der „operationalen Geschlossenheit (Luhmann)“ und der „Autopoiesis (Maturana)“. Daraus folgt, dass Systeme weder von außen noch von innen gezielt beeinflusst werden können. Als offene Systeme interagieren sie zwar untereinander, ihre innere Ordnung erhalten sie jedoch selbständig aufrecht. Dabei streben sie nach Aufrechterhaltung eines inneren Gleichgewichts. Ereignisse im Umfeld von Systemen (z.B.: die Interventionen von Fachkräften) können Wirkung in Richtung „richtig“, in Richtung „falsch“ oder aber keine Wirkung zeigen. Auch kleinste „Ursachen“ können dramatische Folgen haben. Ein Beispiel ist der dem amerikanischen Meteorologen Edward N. Lorenz zugeschriebene Schmetterlings-Effekt: „Does the flap of a butterfly's wings in Brazil set off a tornado in Texas?"