Feb 14 2008
“Das linkhändige Kind in der Grundschule” Johanna Barbara Sattler
Das Buch ist für Pädagogen geschrieben, das merkt man an Sprache und Inhalt deutlich. Besonders die ausführliche Beschreibung von Testverfahren habe ich nur überflogen. Trotzdem kann ich (selbst Linkshänderin und Mutter einer linkshändigen Tochter)das Buch für Eltern sehr empfehlen. Es ist voll von praktischen Tipps besonders in Bezug auf schreiben lernen bis hin zu Strick- und Häkelanleitungen. Außerdem werden Mißverständnisse und Vorurteile gegenüber Linkhändigkeit aufgeklärt. So z.B. die angebliche höhere Häufigkeit von Teilleistungsstörungen bei Linkshändern. Die Autorin hat noch viele Bücher zum Thema “Linkhändigkeit” geschrieben. Vielleicht ist ja eines dabei, das mehr für Laien geschrieben ist. Liebe Lehrer, bei Ihnen gehe ich davon aus, daß Sie mit dem Inhalt des Buches vertraut sind. Wenn nicht, bitte unbedingt lesen und den Inhalt Kollegen und Eltern weitergeben!
4 Kommentare




Ich habe das Buch ebenfalls gelesen. Ich als junge Grundschullehrerin finde die Thematik besonders in sofern interessant, als dass ich im Rahmen meines Studiums so gut wie gar nicht auf die Frage vorbereitet wurde, wie ich mit einem linkshändigen Kind im Unterricht am besten umgehe. In diesem Zusammenhang waren für mich besonders die konkreten Hinweise zu Schreibhaltung (die heutzutage allerdings schon im Kindergarten angebahnt wird) sowie die praktischen Tipps zum Umgang mit linkshändigen Kindern im Unterricht von Bedeutung (z.B. Wo im Klassenraum sitzt ein linkshändiges Kind am sinnvollsten?).
Was heute allerdings absolut nicht mehr aktuell ist, ist die Problematik der “Umschulung der Händigkeit”. Das Vorwort des Buches müsste diesbezüglich dringend überarbeitet und aktualisiert werden. Wenn ihr andere Erfahrungen gemacht habt, widersprecht mir bitte. Aber soweit mir bekannt ist, dürfen wir Lehrer die Kinder schon seit den 80er Jahren nicht mehr “umtrainieren”. Heutzutage sind linkshändige Kinder (fast) so normal, wie Rechtshänder. In meiner jetzigen 4. Klasse befinden sich fünf Linkshänder, die von Anfang an bezüglich ihrer Händigkeit gefördert wurden. Auch die genutzten Schreiblehrgänge sind heutzutage an die Thematik angepasst, indem beispielsweise Buchstaben, die nachgeschrieben werden sollen, sowohl links als auch rechts am Blattrand abgedruckt sind und so von der Schreibhand nicht verdeckt werden können.
Mein Fazit: Das Buch ist sinnvoll, wenn man sich bezüglich des linkshändigen Kindes in der Grundschule genauer informieren möchte und gibt sinnvolle praktische Hinweise. Die Problematik des Umschulens ist allerdings nicht mehr so aktuell, wie sie beschrieben wird. Es besteht die Gefahr, dass Eltern von linkshändien Kindern unnötig verunsichert werden.
Liebe Ulrike,
super Beitrag, danke!
Als Mutter einer linkshändigen Tochter bin ich tatsächlich etwas beruhigt. Wobei ich nie Angst vor einer Umschulung hatte (es würde mich in der Tat wundern wenn das heute noch ein Thema wäre), sondern mir mehr Sorgen über den Wissens- bzw. Unwissensstand von ErzieheInnen und LehrerInnen gemacht.
Durch das Buch weiss ich wie ich meine Tochter am besten unterstützen kann und worauf ich achten muss wenn sie in die Schule kommt.
Judith
Hallo, das ist ein Thema für mich:
ich bin bekennende Linkshänderin, wurde allerdings in der Schule umtrainiert. (Jahrgang 1952)
Es gibt Anekdoten meiner Linkshändigkeit aus den ersten Lebensjahren.
Ich war ca. 3-4 Jahre jung und mit meiner Mutter unterwegs. Da trafen wir eine Bekannte. Ich gab zur Begrüßung wie meine Mutter die Hand (war ein braves Mädchen!), natürlich Meine , die Linke.
Darauf sagte die Frau: “Renate, gib, mir doch das schöne Händchen!” ich betrachtete meine beiden Hände selbstkritisch und fand dann heraus: “Die sind beide gleich schön.”
Zum Glück konnte meine Mutter den Kommentar stehen lassen, wenn sie sich auch amüsierte.
In der Schule hatte ich Pech. Ich konnte schon schreiben, bevor ich in die Schule kam, allerdings mit der Linken. Ich wurde umtrainiert. Mein Schriftbild ist bis heute unregelmäßig. Nur beim Hebräisch-lernen habe ich es geschafft, mich umzutrainieren. (Ich habe Theologie studiert). Übrigens: die besten Hebraisten, die ich kenne, sind Linkshänder/innen!
Wenn ich heute mit Menschen arbeite, achte ich darauf, welche Präferenz sie haben. Ich erkenne Linkshänder sofort, auch die “Verkappten”. Im therapeutischen Prozess ist diese Sensibilität hilfreich, sie führt zu einem guten Kontakt mit den Ressourcen.
Die eigene Entdeckung meiner Linkshändigkeit war mein erstes Stigma. Ich merkte: Ich bin anders. Heute kann ich sagen: ich bin linkshändig , das heißt: ich habe zwei starke Seiten: die angeborene Linke und die trainierte Rechte.
Das Buch werde ich mir anschaffen, danke für den Tipp!
Renate Schatz
Sehr geehrte Frau Schatz,
vielen Dank für die Rückmeldung!
Ich selbst habe meine Linkshändigkeit immer als Stärke empfunden, aber ich hatte auch das Glück, dass ich stets unterstützt wurde.
Ich bin mal gespannt, nächste Woche muss ich mit meiner Tochter zur Schulanmeldung. Wenn es da etwas Interessantes zu berichten gibt schreib ich nochmal.
Ich überlege noch, ob ich das Buch schon zur Anmeldung mitnehme, mal sehen…
Judith Bohrisch-Huwald