Jun 29 2008
Warum unsere Kinder Tyrannen werden | Michael Winterhoff
Ein Buch, das seit einiger Zeit auf den Bestsellerlisten zu finden ist. Ein Buch, das sich nicht als Erziehungsberater versteht und aufzeigen möchte, wie die Wirklichkeit im Erziehungsalltag nun denn wirklich aussieht.
Der Autor, Kinder- und Jugendpsychiater, sowie Psychotherapeut klagt an. Die Eltern, die Alleinerziehenden, die Großeltern, die Erzieherinnen, die Grundschullehrerinnen und die Kinder.
Polarisierungen in dürftig dargestellten Fallbeispielen und in einer Sprache, die gespickt ist mit Begriffen wie “immer”, “grundsätzlich”, “absolut”, “stets”, “eindeutig”, usw.
Wer diese Buch tatsächlich ernst nimmt muß als Elternteil oder auch Großelternteil in Schuldgefühlen versinken angesichts der Behauptungen, sie würden ihre Kinder und Enkel als Projektionsfläche eigener Bedürfnisbefriedigung benutzen.
Pauschalurteile gegenüber Berufsgruppen, die hoch engagiert und kompetent ihre differenzierte Arbeit für wenig Gehalt und ohne Anerkennung leisten und sich zudem noch der Respektlosigkeit von Besserwissern stellen müssen.
Mir fällt es sehr schwer, seinen Thesen zu folgen, da m.E. so viel fehlt, was das Leben miteinander ausmacht. Beziehungsfähigkeit ist nicht mit Gehorsam herstellbar, gegenseitiger Respekt nicht mit der Abwertung von Anderen. Verunsicherte Eltern werden nicht sicherer gemacht und unterstützt, indem mit einem Finger in einer (manchmal auch nur vermeintlichen) Wunde gebohrt wird.
Aus meiner Neugier, dieses Buch zu lesen, wurde sehr schnell viel Mühe es nicht einfach wieder aus der Hand zu legen. Ich wünsche mir, dass dieses Buch alsbald die Ranglisten wieder verlassen möge




