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Monatsarchiv für Juni 2008

Jun 29 2008

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B. Rapp

Warum unsere Kinder Tyrannen werden | Michael Winterhoff

Ein Buch, das seit einiger Zeit auf den Bestsellerlisten zu finden ist. Ein Buch, das sich nicht als Erziehungsberater versteht und aufzeigen möchte, wie die Wirklichkeit im Erziehungsalltag nun denn wirklich aussieht.

Der Autor, Kinder- und Jugendpsychiater, sowie Psychotherapeut klagt an. Die Eltern, die Alleinerziehenden, die Großeltern, die Erzieherinnen, die Grundschullehrerinnen und die Kinder.
Polarisierungen in dürftig dargestellten Fallbeispielen und in einer Sprache, die gespickt ist mit Begriffen wie “immer”, “grundsätzlich”, “absolut”, “stets”, “eindeutig”, usw.
Wer diese Buch tatsächlich ernst nimmt muß als Elternteil oder auch Großelternteil in Schuldgefühlen versinken angesichts der Behauptungen, sie würden ihre Kinder und Enkel als Projektionsfläche eigener Bedürfnisbefriedigung benutzen.
Pauschalurteile gegenüber Berufsgruppen, die hoch engagiert und kompetent ihre differenzierte Arbeit für wenig Gehalt und ohne Anerkennung leisten und sich zudem noch der Respektlosigkeit von Besserwissern stellen müssen. 

Mir fällt es sehr schwer, seinen Thesen zu folgen, da m.E. so viel fehlt, was das Leben miteinander ausmacht. Beziehungsfähigkeit ist nicht mit Gehorsam herstellbar, gegenseitiger Respekt nicht mit der Abwertung von Anderen. Verunsicherte Eltern werden nicht sicherer gemacht und unterstützt, indem mit einem Finger in einer (manchmal auch nur vermeintlichen) Wunde gebohrt wird.

Aus meiner Neugier, dieses Buch zu lesen, wurde sehr schnell viel Mühe es nicht einfach wieder aus der Hand zu legen. Ich wünsche mir, dass dieses Buch alsbald die Ranglisten wieder verlassen möge

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Jun 22 2008

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B. Rapp

Kalte Heimat | Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945 von Andreas Kossert

Ich wünschte mir, dass neben vielen Anderen auch Iliya Trojanow, der den Titel seines Artikels: “Podolski braucht mehr Freunde” in der ZEIT (Rubrik Meinungen) vom 12.06.08 benutzt, dass neu erschienene Buch von Andreas Kossert “Kalte Heimat” lesen möge. Trojanow hat absolut Recht, wenn er meint, dass sich die Menschen in Deutschland seit dem Ende des 2.Weltkrieges in einem unveränderten Zustand befinden und davon spricht, dass Deutschland heute noch immer die Imigrationspolitik als Katastrophenschutz betreibe. Er meint heute u.a. auch die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und nennt gleichzeitig als gelungenes Beispiel und Ausnahme- im aktuellen Bezug zur Fußball-EM – die bekannten und berühmten Fußballer (“polnischer Herkunft”) Klose, Podolski und Ballack. Kossert recherchiert in seinem Buch besser und zeigt auf, dass aber genau diese genannten Männer deutscher Abstammung sind. Ihre Vorfahren sind allesamt Schlesier! Gemeinsam ist beiden Autoren, wenn sie sagen, dass die Angst der Deutschen vor Überfremdung wirkliche Integration noch immer behindert – heute genauso wie in den letzten 6 Jahrzehnten.

Andreas Kossert hat ein Buch verfasst, das mehr ist als eine weitere Dokumentation über ein Thema, von dem viele Menschen entweder nichts wissen wollen, es abgespalten haben oder noch immer nicht in ihrer Geschichte zulassen möchten. 

Er gibt eine gut recherchierte Übersicht über die Nachkriegszeit ab 1945, bezogen auf die Integrationsversuche von 14 Millionen vertriebenen und geflohenen Menschen aus dem Osten. Herkunft und Weg dieser Menschen in den Westen, ihre Ankunft, Aufteilung und Unterbringung, die Traumatisierungen, Missverständnisse und Vorurteile (“wieso können die so gut Deutsch?”). Das Wirtschaftswunder im Westen und die verschwiegenen 4 Millionen Vetriebenen in der damals sowjetisch besetzten Zone und der DDR. Politik und Vertriebenenverbände, der Wandel der Kirchen, das kulturelle Erbe, Flucht, Vertreibung und Vertriebene in der Literatur und den Medien. Der “Revanchismus der Ewiggestrigen” in der Gegenüberstellung der Integrationserfolge.
Und immer wieder: Das große Tabu bei “Einheimischen und Vertriebenen” über das Erleben und die psychischen Folgen über die Generationen hinweg zu kommunizieren.

Der Anhang des Buches ist allein über 70 Seiten lang. Kossert gibt detailliert Quellen-, Bildnachweise und Personenregister an.

Dieses Buch war für mich eine wahre Fundgrube. Es beantwortet mir viele der Fragen, die ich den bereits verstorbenen Zeitzeugen meiner Familie nie gestellt habe – oder nicht stellen durfte?

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Jun 17 2008

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E. Bohrisch

Liebe Dich selbst und es ist egal, wen Du heiratest | Eva-Maria Zurhorst

Klienten haben mich auf dieses Buch neugierig gemacht.
So habe ich es mir besorgt und gelesen.

Die Fülle an lebenspraktischen, treffsicher formulierten Einsichten und Vorschlägen hat mich begeistert.
Einige Formulierungen werde ich in Zukunft sicher selbst verwenden, wenn Menschen mit Beziehungsproblemen bei mir Rat suchen.

Das Buch steht sicher zu recht oben auf Bestsellerlisten und ist sehr zu empfehlen.

Was mir fehlt ist die Beachtung der sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge in denen wir leben.
Zusammenhänge, die persönliches Wachstum und die gesunde Entwicklung von Beziehungen, deutlich beeinflussen und stören können.
Ich sehe die Gefahr, dass der Eindruck entsteht, alles sei möglich, wenn Mann oder Frau nur genügend an sich arbeitet. Meine Erfahrung ist hingegen, dass es Beziehungen gibt, die auch mit großer Anstrengung nicht zu retten sind, sei es dass der Partner nicht kann, oder nicht will, oder das Umfeld zu ungünstig ist.

Ebenfalls nicht gefunden habe ich die Frage, wie Menschen die inGewaltbeziehungen leben, meistens sind das Frauen, weiter machen können, ohne sich selbst aufzugeben.
Ich fürchte, dass Frauen die in Ihrer Beziehung psychischer oder Körperlicher Gewalt ausgesetzt sind
das Buch als Aufforderung missverstehen könnten. Es wäre schlimm, wenn sie daraus folgerten, nur besser mit sich und ihren inneren Problemen umgehen zu sollen. Das wäre wie ein weiterer Schlag.
Ich möchte dann doch lieber das Rezept der “Bremer Stadtmusikanten”empfehlen.
“Komm mit! Etwas Besseres als den Tod findest du überall!”

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