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Monatsarchiv für März 2009

Mrz 31 2009

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B. Rapp

Berater sind auch Menschen oder: warum auch Berater irren dürfen (?)

Fragen, die jeder professionell Arbeitende im „Beziehungsgeschäft“ sich stellen muss, wenn er von Klienten eingeladen wird, bei deren Klärungs-, oder Lösungssuche zu helfen sind vielleicht:

Als wer oder was möchte ich in der Rolle als BeraterIn wahrgenommen werden? Wie wirke ich auf  meine Klienten? Was bin ich bereit von mir zu zeigen? Wie lautet mein beraterisches Selbstverständis im Umgang mit Menschen, die in Not geraten sind und nach Unterstützung suchen?

Die allermeisten Klienten und Klientensysteme die um Beratung anfragen bewegen sich auf unsicherem Gelände. Die Bodenhaftung ist ihnen verloren gegangen, das Selbstwertgefühl instabil oder gar gering, ihre Fähigkeiten zur selbstständigen Problemlösung in dieser Zeit wenig abrufbar. Für sie ist es wichtig, auf einen Berater zu treffen, der diese Zeit als einen zeitlichen Ausnahmezustand versteht und dem Klienten unterstellt, dass dieser alle Fähigkeiten zur Selbstbestimmung und Selbstentwicklung in sich trägt.
Er hat nun dem Klienten einen Erlebens-Raum zur Verfügung zu stellen, in dem dieser sich wahr- und angenommen fühlen kann. Der Berater bietet Möglichkeiten an, die der Klient ausprobiert und überprüft, ob sie für ihn stimmig sind. All dies geschieht in einer raumgebenden Präsenz von Seiten des Beraters und einer lebendigen Interaktion, in der stets bei beiden, Berater und Klient ein gutes Gefühl für den gemeinsamen Prozess bestehen muss.

Auch in einer solchen Atmosphäre wird es zu Fehlern kommen, d.h. nicht alles, was der Berater anbietet, passt zum Klienten und dessen Prozess. Dies zu bemerken und dann  gemeinsam aufzudecken und zu klären kann manchmal einer der entscheidenden Momente sein, die den Entwicklungs- und Veränderungsprozess in der Beratungssituation voranbringt.

Ehrlichkeit, Bodenhaftigkeit, Humor, Geduld, Fehlerfreundlichkeit, Echtheit, Mitgefühl und das Wissen darum, das jeder Mensch immer seine Fähigkeiten und Ressourcen in sich trägt, sind Bedingungen um selbstständig und selbstbestimmt zu ureigenen Lösungen zu kommen.


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Mrz 29 2009

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E. Bohrisch

Disziplin, Liebe, Humanismus und die Erziehungs-Diskussion unserer Tage

Abgelegt unter Beratung, Kids & Teens

Die Propagandisten von Disziplin und Durchgreifen in der Erziehung unserer Kinder geben vor, auf Struktur zu setzen, was leicht als systemisch missverstanden werden kann. Es handelt sich aber ausschließlich um den Drill von Regeln, die von außen gesetzt werden. Unsere Vorstellung von Erziehung setzt im Gegensatz dazu auf liebevollen Umgang zwischen Erziehern und Kindern und auf den Aufbau eine guten Eltern-Kind-Beziehung. Die Analyse dieser liebevollen Beziehungen, und ihre Entwicklung und Pflege sind Gegenstand unserer Arbeit in Coaching und Beratung.

Disziplin-Fans wie Winterhoff und Bueb, deren Bücher auf herausragenden Plätzen von Bestsellerlisten stehen, zeigen in ihren Handlungsvorschlägen und in ihrer Sprache ein Menschenbild, das mich frieren lässt. Es scheint, als hätten sie nie von den Reforrmpädagoginnen und Reformpädagogen der vergangenen zwei Jahrhunderte gehört. Sie scheinen auch neueste Forschung der Neurowissenschaften zu den Bedingungen von Lernen und Wachstum nicht zu kennen. Die Einfachheit ihrer Thesen scheint aber attraktiv.

In der Analyse vor Erziehungs-Missständen in unserer Zeit stimme ich mit den beiden genannten Autoren durchaus überein. Die Entwicklung moderner Gesellschaft hat zu einer Verarmung an sozialen Beziehungen geführt. So sind auch Eltern auf sich allein zurückgeworfen Sie neigen dazu, sich an ihren Kindern festzuhalten anstatt ihnen Schutz und Sicherheit auf dem Weg in die Welt zu geben, in eine Welt, die von Kindern erst erobert werden muss.

Der Ratschlag mit Drill und Durchgreifen die Welt für Kinder verstehbar und handhabbar zu machen erscheint mir absurd.

Humanistisch und systemisch orientiert ist unsere Idee zur Unterstützung von Eltern,diese zu ermutigen und sie in ihrer Beziehung als Mutter und Vater sowie als Mann und Frau zu stärken.

Außerdem erarbeiten wir mit Eltern, wie sie ihre von Liebe geprägte Beziehung zu ihren Kindern zur ermutigenden und fehlerfreundlichen Unterstützung ihrer Kinder einsetzen können, wenn diese bei dem Versuch ,die Welt zu begreifen, mal wieder daneben gegriffen haben.

Ähnliche Vorstellungen vertritt auch Wolfgang Bergmann, so auch in seinem neuesten Buch „Warum unsere Kinder ein Glück sind“, das ich als Lektüre zum Thema sehr empfehle.

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Mrz 25 2009

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E. Bohrisch

Warum unsere Kinder ein Glück sind | Buchbesprechung

In seinem neuesten Buch setzt sich Wolfgang Bergmann mit den z. Zt. sehr populären Erziehungs-Ideen von Winterhoff, Bueb und anderen auseinander.

Mit seinem pädagogischen Weltbild steht er in der Tradition aller Reformpädagogen der vergangenen zwei Jahrhunderte. Sein Erziehungs-Ideal entspricht auch unserem von den abrahamitischen Religionen und der Aufklärung geprägten humanistischen Menschenbild. Er hat auch die Ergebnisse neuer Forschung wie die der Neurowissenschaften, die das humanistische Menschenbild und die Ideen er Reformpädagogen  stützen,  verarbeitet.

So setzt er sich in erfreulicher Klarheit von  Ideen ab, die von Disziplin bestimmt sind. Er setzt dem Drill à la Winterhoff und Bueb die Überzeugung entgegen, dass Erziehung gelingt, wenn Eltern und Erzieher in Liebe mit Kindern umgehen. In vielen Beispielen zeigt er, wie das Bemühen um gute, liebevolle Beziehungen Kindern und Erwachsenen eine konstruktive, sozial kompetente Entwicklung ermöglicht. Er ermuntert Eltern mit Phantasie und Liebe zu reagieren, wenn es nötig ist, Kindern auf den „richtigen“ Weg zu helfen.

Im ersten Teil setzt er sich konkret mit Winterhoffs Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ auseinander. Der zweite Teil beschreibt die gesamtgesellschaftlichen Hintergründe heutiger Erziehungsprobleme. Der dritte Teil , den ich mit besonderem Genuss gelesen habe, beschreibt eine Fülle konkreter Standardsituationen und mögliche kreative Lösungswege. Bergmann betont dabei zu Recht, dass die Beispiele keine Rezepte sind. Er will vielmehr zu Lust an Erziehung und zu liebevoller Phantasie ermuntern.

Ich empfehle dieses Buch allen Interessierten. Es ist sehr lesbar, kommt ohne Fach-Jargon aus und ist außerordentlich sympathisch.

Wolfgang Bergmann
Warum unsere Kinder ein Glück sind
So gelingt Erziehung heute
Beltz 2009

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Mrz 17 2009

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E. Bohrisch

Krise Coaching und Beratung

Plötzlich ist sie da, die „Krise“. Wir sind ganz überrascht. Dass sich an den Umständen und Fakten nichts geändert hat, übersehen wir. 

Nehmen wir als Beispiel die Wirtschaftskrise. Geld ist nie sicher, da sein Wert nur auf einer sozialen Übereinkunft beruht. Die Börse misst Stimmungen, keine realen Werte wie ein Pfund Butter oder ein Glas Bier! So kommt es leicht zu Illusionen, zu Überschätzungen, die dann wie eine Seifenblase platzen.

Ähnlich ist es mit Krisen im Arbeitsleben,sei es als Mitarbeiter, sei es als verantwortlicher Unternehmer oder Betriebsleiter. Auch Beziehungskrisen in Partnerschaft und Familie sowie persönliche Lebenskrisen zeigen das gleiche Bild. Fehlentwicklungen und Warnsignale werden so lange es geht übersehen und verleugnet.

Dass wir mit unserer Arbeit unseren Lebensunterhalt und den unserer Familie auch morgen sicherstellen können, kann niemand garantieren. 

Dass die Liebe unverändert aufregend und verlässlich bleibt ist unser Wunsch, aber nie sicher.

Dass wir nicht unbegrenzt jung , dynamisch und leistungsfähig bleiben weiß jeder. Dennoch übersehen wir allzu gerne, was vor uns sichtbar ist.

Da Krisen nicht zu übersehen sind, können wir sie als Signal nutzen, anstatt vor Schreck und Enttäuschung in Resignation zu erstarren. In Krisen sind Selbstverständlichkeiten fragwürdig. Die Chance jeder Krise besteht darin, dass Neues in den Blick kommen kann, dass  „Verbotenes“gedacht werden darf, dass Unerhörtes gesagt werden darf. Wir können Neues lernen.  Kein Lerngewinn ohne vorherige Verunsicherung! Eine Krise, aus der wir nichts lernen war vergeblich!. 

Das gilt für die Wirtschaft, das gilt auch für Partnerschaft, Familie und Beruf, das gilt für unseren Umgang mit Leben und Gesundheit.

Coaching und Beratung sind Stützen in Zeiten der Krise.Sie bieten Instrumente zur Analyse der Situation, des Ist-Standes und der Vorgeschichte. Sie helfen den Blick auf neue Möglichkeiten und Ziele auszurichten. Sie ermutigen, neue Pläne entschlossen anzugehen und umzusetzen.

Krisen sind Zeiten im Leben, in denen Coaching und Beratung besonders gewinnbringend eingesetzt werden können.

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Mrz 08 2009

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B. Rapp

Warum systemisch? | zum Zweiten

Abgelegt unter Beratung, Coaching, Grundlagen

Gerne möchte ich die Fragestellung meines sehr geschätzten Kollegen Eberhard Bohrisch noch einmal aufgreifen und mich damit in unserer  Arbeitsweise den Lesern ein wenig vorstellen.

Das wir systemisch arbeiten, ist ja erst einmal lediglich eine Tatsache und hat für viele noch gar keine weitere Bedeutung. Diese kann sie erst dann bekommen, wenn Sie als Leser ihr eine Bedeutung geben werden.
Es ist also meine Aufgabe, mich Ihnen so zu zeigen, dass sie dem was sie hier lesen (im Coaching oder in der Beratung würde ich dann sagen „erleben und wahrnehmen“), eine Bedeutung geben können.

Damit sind wir auch schon bei einem systemischen Grundsatz: Systemische Coaches und Berater sind geschult und geübt darin in genauen und konkreten Beschreibungen zu formulieren und zwar das, was sie sehen und wahrnehmen, jetzt. Sie verlangsamen und verzögern damit die von uns allen gewohnte Reaktionszeit, die voll von automatisierter Bedeutungsgebung und meist auch Bewertung ist.

Wir Berater „stören“ sozusagen Ihre bisherigen Erklärungs- und Bewertungsmodelle der von Ihnen geschilderten Probleme und erweitern damit gleichzeitig Ihren Handlungsspielraum, indem gemeinsam nach Alternativen, d.h. weiteren Verhaltensmöglichkeiten gesucht wird. Die Aufrechterhaltung des bisherigen Reaktionsmechanismus (innerhalb des Problems) wird, in unserer Sprache, „verflüssigt“, d.h. verändert.

Hierzu ein Beispiel aus der Coachingpraxis:
Wenn ein Lehrer im Coachingprozess über einen 12 jährigen Schüler erzählt, “dieser Junge ist aggressiv”, dann fangen wir an Fragen zu stellen. Zum Beispiel: „wem gegenüber“, „wann“, „was tut er genau“, „welche Ausnahmen gibt es, wo er sich eigentlich auch aggressiv hätte verhalten müssen und es nicht tat“, „was tun Sie (Ihre Kollegen, die Eltern, die anderen Kinder) wenn der Junge sich so zeigt“, usw. Wir beginnen also damit, die Sichtweisen auf diesen Jungen zu erweitern, ihm die Stigmatisierung „er ist…“ zu entziehen und aufzuzeigen „er verhält sich in folgenden Situationen auf diese Art und Weise“. Gleichzeitig „erkennt“ der Coachee (Lehrer) in diesem Prozess, dass er seine eigenen Reaktionen  (Verhalten) dem Jungen gegenüber nun modifizieren könnte. Er probiert diese dann z.B. im Rollenspiel aus, um sich (erst einmal im geschützten Coaching-Raum) selbst zu erfahren und festzustellen, welches Verhalten eine  innere Stimmigkeit in ihm erzeugt.

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