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Monatsarchiv für Mai 2009

Mai 28 2009

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B. Rapp

Psychologische Beratung, Coaching oder Training? oder: Warum systemisch? zum Dritten

Frage einer Klientin bei unserem ersten Termin zum Kennenlernen:
„Ich weiß, ich muss etwas tun, aber was ist das Richtige für mich? Psychologische Beratung, Coaching oder Training?“,
  • Ich kann morgens schlecht aufstehen, fühle mich schwer, niedergeschlagen und müde. Mein Mann sagt sogar, ich bin depressiv“ – also eher eine psychologische Beratung?
  • In meiner Firma verliere ich mich im Tagesgeschäft, die Mitarbeiter sind unzuverlässig und faul. Für meine Kunden habe ich fast keine Zeit mehr“ – also eher ein Coaching für Führungskräfte?
  • Meine Kinder hören nicht, machen was sie wollen und bringen schlechte Schulleistungen nach Hause“ – also eher ein Elternkompetenztraining?

Ich bitte die Klientin, diese berechtigte Frage noch etwas zurück zu stellen und rege sie an, sich meine Arbeitsweise erst einmal anzuschauen und dann zu entscheiden, ob die „Chemie“ zwischen uns stimmt. Sie entscheidet nach dieser Sitzung in den Arbeitsprozess mit mir ein zu steigen. Aus den anfangs vereinbarten 10 Sitzungen sind 14 geworden, der gemeinsame Arbeitsprozess lief über 5 Monate. In den ersten 4 Wochen trafen wir uns wöchentlich, danach 14 tägig, später im Abstand von 3-4 Wochen.

Während ihres Beratungs-Prozesses laden wir zwischendurch auch Familienmitglieder in die Sitzungen ein. Zunächst ihren Ehemann, mit dem sie in drei „Kompakt-Paarsitzungen“ gemeinsam ihre Rollen als Partner, Eltern und Firmeninhaber beschreiben.

Dann Kinder und Partner zu zwei „Kompakt-Familiensitzungen“, in denen viel über Bedürfnisse, Wünsche, Zeit und Verantwortlichkeiten aller Beteiligten gesprochen und gearbeitet wird.

Virtuell bringen wir auch die Firma und die Kunden mit in den Beratungsraum und erarbeiten ein Organigramm und ein Leitbild.

Am Ende ihres Arbeitsprozesses verabreden wir, dass sie zukünftig ein- bis zweimal im Jahr zu einer Standortanalyse kommen wird.

Beim Rückblick und Abschiednehmen frage ich die Klientin, als was sie denn die Unterstützung nun wahrgenommen habe:

  • als psychologische Beratung,
  • Coaching
  • oder Training?

Hm, am liebsten würde ich keinen von den Begriffen benutzen. Ich erinnere mich oft an unsere erste Stunde und das Bild, in dem ich mich und meine Situation damals beschreiben sollte. Da habe ich mich als Wanderin gesehen, die unter der Last eines viel zu schweren Rucksacks kaum mehr den Kopf heben konnte und die sich mit ihren absolut letzten Reserven durstig und hungrig ziellos dahin schleppte. Sie haben mich quasi gestoppt, Anteil genommen an mir und meiner Situation und gezeigt, wie ich Gepäck sortieren, abladen und verteilen kann. Wie ich mich auch in unwegsamen und unübersichtlichen Gelände bewegen kann, ohne die Orientierung zu verlieren. Wie Seilschaften funktionieren, wann ich sichere oder gesichert werde. Und: sie haben die Bergführerin – Unternehmerin (lachend) in mir wieder stark gemacht, die gerne führt und ihr Ziel, zum nächsten Gipfel zu kommen wieder in den Blick genommen hat.“

Den eigenen Weg als Wanderung in unbekanntem Terrain zu verstehen und immer wieder auf eigene Fähigkeiten und Stärken zurück greifen zu können ist ein wunderbar „systemisches Bild“.

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Mai 15 2009

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E. Bohrisch

Peinlich genau oder mutig Fehler gemacht?

Abgelegt unter Beratung, Coaching, Grundlagen

„Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall.“ (Friedrich Dürrenmatt)

Mein Schülerleben stand unter der Drohung: „Mach ja keine Fehler!“

Heute weiß ich, dass Lernen ohne Fehler nicht möglich ist. Die Drohung meiner Jugend steckt mir aber immer noch in den Knochen

Im Jahr 1984 haben Christine und Ernst-Ulrich von Weizsäcker den Begriff der Fehlerfreundlichkeit  eingeführt. Fehlerfreundlichkeit gehört zu allen natürlichen Systemen.Weizsäckers haben sie als Weg zur Steigerung der Sicherheit technischer Systeme diskutiert. Inzwischen hat Fehlerfreundlichkeit auch in der psychosozialen Theoriebildung, in Beratung, Coaching und Organisationsentwicklung ihren Platz gefunden.

Der Satz: „Mach ja keine Fehler!“ gilt weiterhin, wenn ein Irrtum, ein Fehlgriff, eine Ungenauigkeit  schlimme Folgen hätte.

Fehlervermeidung und Fehlerfreundlichkeit haben beide ihren berechtigten Platz in Arbeitswelt und Privatleben. Im Gebrauch von Maschinen ist Fehlerfreundlichkeit willkommen, bei ihrer Fertigung gilt nur Fehlerfreiheit.

Familienfinanzen müssen fehlerfrei verwaltet werden, romantische Beziehungen hingegen phantasievoll, also fehlerfreundlich gepflegt werden, wenn sie nicht erstarren sollen.

Es geht also darum eine Fehlerkultur zu pflegen, in der sowohl Fehlervermeidung als auch Fehlerfreundlichkeit ihren Platz haben. Beide sind wichtig und müssen ihren Raum haben.

Nur wenn die Pflege des Bewährten und die Freiheit zum kreativen Experiment gleichberechtigt sind, können sich Systeme an veränderte Außenbedingungen konstruktiv anpassen. Dies gilt für Betriebe in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs. Es gilt ebenso für Paare, die nach dem Erwachsenwerden der Kinder sich wieder alleine begegnen müssen. Es gilt für Menschen, die sich von einem vollen Arbeitsalltag auf den „Ruhestand“ umstellen müssen.

Es gilt auch für Menschen, die von Insolvenz, Arbeitslosikeit und Krankheit betroffen sind.

Zusammenfassung:
Es gibt Lebens- und Arbeitsfelder, in denen keine Fehler vorkommen dürfen, z. B. am OP-Tisch. In anderen Bereichen unseres Lebens führt ängstliche Fehlervermeidung zu Stagnation und Scheitern.

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Mai 08 2009

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E. Bohrisch

Fehlerfreundlichkeit & Resilienz

Wie ist es möglich, dass manche Menschen mit nahezu jeder Situation, mit der sie im Leben konfrontiert werden, klarkommen? Wir denken, sie müssten unter den erzwungenen Änderungen leiden oder zerbrechen, aber weit gefehlt! Sie wirken wie ein Korken im reißenden Wasser. Sie werden umher geworfen, unter Wasser gezwungen, tauchen aber immer wieder auf und schwimmen scheinbar unbeschädigt weiter.

Diese Fähigkeit zu überleben und sich konstruktiv anzupassen teilen wir Menschen mit anderen Lebewesen, Tieren und Pflanzen mit lebenden Systemen. In der Wissenschaft wird diese Fähigkeit als Resilienz bezeichnet.

Ein System ist umso anpassungsfähiger je fehlerfreundlicher, je flexibler es ist. Ein Coalabär, der nur bestimmte Eukalyptusblätter frisst, hat  weniger zur Resilienz als eine Ratte. Je weniger wir festgelegt sind, je fehlerfreundlicher wir in unseren Erwartungen und Fähigkeiten, sind umso flexibler und gelassener können wir mit Hindernissen und Schicksalsschlägen umgehen.

Wenn man verschiedene Kulturen hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur Anpassung, ihrer Fehlerfreundlichkeit vergleicht, findet man große Unterschiede. Daran wird deutlich, dass Resilienz nicht vorgegeben ist, sondern erlernbar ist. Ich wünsche mir, dass dies in Bildungsplänen und im Schulalltag beachtet wirden. Die jetzige Bildungswirklichkeit zeichnet sich in der Regel durch einen sehr geringen Grad an Resilienz aus. Die Folge sind eine hohe Zahl an gescheiterten Menschen.

Im Beratungs- und Coachingprozess geht es um die Entwicklung von Fehlerfreundlichkeit und Resilienz. Der Umgang mit unerwartet neuen und Angst auslösenden Situationen, mit starren Erwartungen und geringem Selbstvertrauen wird trainiert. Die Verhaltensmöglichkeiten weden erweitert.

Zusammenfassung:

Im Beratungs- und Coachingprozess geht es um die Entwicklung von Fehlerfreundlichkeit und Resilienz. Der Umgang mit unerwartet neuen und Angst auslösenden Situationen, mit starren Erwartungen und geringem Selbstvertrauen wird trainiert. Die Verhaltensmöglichkeiten weden erweitert.

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