Mai 15 2009
Peinlich genau oder mutig Fehler gemacht?
„Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall.“ (Friedrich Dürrenmatt)
Mein Schülerleben stand unter der Drohung: „Mach ja keine Fehler!“
Im Jahr 1984 haben Christine und Ernst-Ulrich von Weizsäcker den Begriff der Fehlerfreundlichkeit eingeführt. Fehlerfreundlichkeit gehört zu allen natürlichen Systemen.Weizsäckers haben sie als Weg zur Steigerung der Sicherheit technischer Systeme diskutiert. Inzwischen hat Fehlerfreundlichkeit auch in der psychosozialen Theoriebildung, in Beratung, Coaching und Organisationsentwicklung ihren Platz gefunden.
Der Satz: „Mach ja keine Fehler!“ gilt weiterhin, wenn ein Irrtum, ein Fehlgriff, eine Ungenauigkeit schlimme Folgen hätte.
Fehlervermeidung und Fehlerfreundlichkeit haben beide ihren berechtigten Platz in Arbeitswelt und Privatleben. Im Gebrauch von Maschinen ist Fehlerfreundlichkeit willkommen, bei ihrer Fertigung gilt nur Fehlerfreiheit.
Familienfinanzen müssen fehlerfrei verwaltet werden, romantische Beziehungen hingegen phantasievoll, also fehlerfreundlich gepflegt werden, wenn sie nicht erstarren sollen.
Es geht also darum eine Fehlerkultur zu pflegen, in der sowohl Fehlervermeidung als auch Fehlerfreundlichkeit ihren Platz haben. Beide sind wichtig und müssen ihren Raum haben.
Nur wenn die Pflege des Bewährten und die Freiheit zum kreativen Experiment gleichberechtigt sind, können sich Systeme an veränderte Außenbedingungen konstruktiv anpassen. Dies gilt für Betriebe in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs. Es gilt ebenso für Paare, die nach dem Erwachsenwerden der Kinder sich wieder alleine begegnen müssen. Es gilt für Menschen, die sich von einem vollen Arbeitsalltag auf den „Ruhestand“ umstellen müssen.
Es gilt auch für Menschen, die von Insolvenz, Arbeitslosikeit und Krankheit betroffen sind.
3 Kommentare




Gestern war ich mit auf dem Hockeyplatz. 22 hochmotivierte 13-14 jährige Jungs kämpften um den Sieg und den guten Start in die neue Saison. Es war ein spannendes Spiel bei dem die Zuschauer (hptsl. Eltern) wieder emotional mitspielten und fast alle Spielaktionen begleiteten. Mit Luft anhalten in brenzligen Situationen oder Jubelschreie bei gelungenen Spielzügen und Toren.
Und dann war es passiert. Ein Junge spielt ohne Not einen Pass nach hinten zu einem Mitspieler. Ein gegenerischer Spieler fängt diesen Ball ab und verwandelt zum Tor. Wir alle schreien erschreckt auf, einige rufen genervt den Namen des Jungen und dieser zuckt merklich zusammen. Dann der aufbauende Ruf des Trainers vom Spielfeldrand: „M…. macht nix! das kann passieren! der nächste wird besser! hol dir den Ball wieder!“
Es hat trotzdem eine ganze Weile gedauert, bis er wieder frei und gelöst mitspielen konnte.
Die Schmach des eigenen Versagens, die spontane geballte negative Reaktion der eigenen Zuschauer hatten in diesem Moment mehr Gewicht als der verzeihende und aufbauende Zuruf des Trainers.
Ich bin froh, dass es diese Trainer für unsere Jugend gibt, die bei Fehlern nicht gleich brüllen und auswechseln, die den Blick auf den Einzelnen, das Team und den Spaß beim Spiel zu ihrer wichtigsten Aufgabe machen.
[...] Was ist jedoch zu tun wenn die Kids sich auch freundlicher Anteilnahme verweigern? In der Pubertät laufen so viele Veränderungen im Körper insbesondere im Gehirn der Jugendlichen kommt dass sie oft selbst nicht wissen was sie wollen sollen oder sogar selbst wollen. Auch hilft nur mit gleich bleibender Konsequenz und Freundlichkeit mit ihnen umzugehen. Auch hier gilt, dass Fehlerfreundlichkeit weiterführt als pädagogische und moralische Appelle. [...]
[...] Der Beitrag “Scheitern, Fluch oder Chance” endet mit dem Satz:
„ Mutig das Scheitern riskieren, aber noch mutiger aufstehen und das Beste daraus machen!“ [...]