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Monatsarchiv für April 2010

Apr 15 2010

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B. Rapp

Spaltung | Ein Merkmal bei hochstrittigen Konflikten

Abgelegt unter Allgemein

Ein wichtiges Ziel der menschlichen Entwicklung ist es, Erfahrungen zu machen, in denen Spaltung/Trennung möglich werden kann. Selbstregulierung und Selbstwirksamkeit sind bspw. Fähigkeiten, die nur über Spaltungsmechanismen erlernbar sind. Es braucht erlebtes, gefühltes Chaos, es braucht die Erfahrungen der Ambivalenz (z.B. ich liebe mein Kind – und – hasse seine Wutausbrüche), um handlungsfähig zu werden. Die Entscheidung trotz Gefühlschaos handeln zu können, schafft erneute Ordnung und Unterscheidung.

Spaltungsmechanismen in menschlichen Interaktionen werden jedoch nicht immer als sozial verträglich anerkannt. Bezogen auf einen äußeren Konflikt, insbesondere wenn er hochstrittig ist, wird von Konfliktparteien bspw. eine Spaltung in Gut oder Böse vorgenommen. Sind die erlittenen Verletzungen während eines Konflikts groß und gibt es keine anderen Schutzmöglichkeiten mehr, wird die stets andere Seite zum Verantwortlichen und Bösen erklärt. Die Spaltung kann jetzt helfen den eigenen Selbstwert wieder zu erlangen. Die eigene Verletztheit lässt sich besser aushalten, wenn der Andere als nicht normal, krank, bösartig, schlecht und verrückt bezeichnet werden kann, bzw. man sich selbst dadurch als gesund und moralisch integer erleben kann. Der Angreifer wird als Projektionsfläche für die eigenen negativen Gefühle benutzt.

Die Spaltung in Gut (ich selbst) und Böse (der/die Andere) rechtfertigt demnach eigenes Handeln und ist ein gutes Gegenmittel gegen Schuldgefühle. Es müssen quasi die gleichen Kriegswaffen benutzt werden, um das Böse abzuwehren („Ich habe ja nur, weil ….“  „Ich musste, weil er/sie ….“ )

Enden Konflikte in der Hochstrittigkeit, dann ist eine der wesentlichsten Fähigkeiten menschlichen Miteinanders auf der Strecke geblieben. Um das Gefühl, einen starken Angreifer überleben zu können, zu erhalten, muss der vermeintlich Angegriffene sein Einfühlungsvermögen auf Eis legen. Empathisches Mitfühlen und Mitdenken muss abgespalten werden und es müssen Verbündete gefunden werden, die sich in den Sog des miteinander Kämpfens hineinziehen lassen.

Beratung in solch eskalierenden Konflikten kann unterstützen. Sie kann helfen, die erlittenen Kriegswunden zu versorgen und zu pflegen. Sie kann vermeiden helfen, das die eigene Gesundheit einen zu großen Schaden nimmt. Sie lädt ein, das Kampffeld wenigstens kurzfristig zu verlassen, um zu schauen, was im Alltagsumfeld doch auch noch gut funktioniert, welchen Sinn dieser Streit macht und welche lohnenden und sinnbringenden Alternativen das eigene Leben bietet.

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