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Archiv für die Kategorie 'Allgemein'

Jul 05 2010

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E. Bohrisch

Entschleunigung, lebensnotwendig oder Urlaubstraum?

Abgelegt unter Allgemein, Grundlagen

Décélération, une nécessité ou un rêve de vacances ?

Es ist jetzt ein Jahr her, dass ich meinen ersten Bericht über einen Urlaub im Médoc schrieb. Die Ruhe, über die ich berichtete, haben wir auch dieses Jahr genossen. Frühsommer, vor der Saison, ist wirklich eine ideale Zeit zum Ausspannen.
Wieder haben wir die Landschaft, die Ruhe ausstrahlt, genossen. Angenehm für uns, gewohnt an die Hektik unseres Alltagslebens, ist die Gelassenheit und Freundlichkeit der Menschen im Umgang miteinander. An den Kassen der Supermärkte lösen auch lange Schlangen keine Unruhe aus. Alle haben Geduld, bis die Kunden vor ihnen ihre Einkäufe eingepackt und bezahlt haben. Der Stress der Kassenschlangen im Supermakt, wie ich ihn von Zuhause kenne, fehlt! Das gefällt mir und tut gut.
Une fois encore, nous avons bénéficié d’un paysage qui respire le calme. Pour nous qui sommes habitués à la vie quotidienne trépidante, il est agréable d’observer comment les personnes peuvent être calmes et amicales dans les relations avec les autres. Aux caisses des supermarchés, les longues files ne déclenchent pas d’incidents. Chacun patiente en attendant que les clients précédents aient emballé et payé leurs achats. Pas de stress des files d’attente aux caisses comme c’est le cas chez nous! Cela me plaît ; cela me fait du bien.
Leider scheint es nicht möglich, die positive Erfahrung des Urlaubs, für uns in Frankreich, in den Alltag zurückzubringen. Schon gleich hinter der Grenze, wir waren zwei Tage unterwegs, war es aus mit der Gelassenheit. Nach zwei Tagen 130 war der Autobahnverkehr, hektisch und drängend, ein Schock.
Malheureusement, il semble impossible de retrouver dans la vie quotidienne les expériences positives de nos vacances, que nous avons vécues en France. Après deux jours de route, dès la frontière franchie, le calme avait disparu. Après deux jours à 130 km/h, le trafic sur l’autoroute, avec son stress et son agitation, a été un choc.
Mich treibt die Frage um, wie es gelingen könnte, unser Leben wenigstens in zeitlichen Inseln auch im Alltag zu entschleunigen. Wir wissen, dass der Stress, der unseren Alltag beherrscht, krank macht, Beziehungen gefährdet, die Lösung von Problemen erschwert und unsere Leistungsfähigkeit beeinträchtigt.
J’en viens à me poser la question de savoir comment décélérer nos vies quotidiennes, comment au moins nous ménager quelques îlots temporels. Nous savons bien que le stress qui domine notre quotidien nous rend malades, met en péril nos relations, complique la résolution des problèmes et affecte nos capacités.

Ich wünsche mir, dass uns die Entschleunigung unseres Lebenstempos wenigstens zeitweise dafür aber regelmäßig gelingt!

J’en viens à souhaiter que nous ralentissions un peu le rythme de nos vies, au moins de temps en temps, mais régulièrement !

Und Sie?

Et vous ?

PS.: Meinen Freunden von l’Acacia im Médoc wünsche ich einen schönen Sommer und eine erfolgreiche Saison!

P.S. : Je souhaite un bel été et une bonne saison à mes amis de l’Acacia, dans le Médoc.

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Jun 04 2010

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B. Rapp

Ankündigung | ab Juli

Unsere Erfahrungen aus den Gruppen mit Kindern, die Trennung/Scheidung in ihren Familien erleben , haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, auch Eltern eine Möglichkeit anzubieten, sich mit Gleichbetroffenen in einem geschützten Raum austauschen zu können.

Das Erleben in Gruppen, wo ähnliche und unterschiedliche Geschichten und Umgangsformen zusammen treffen, wirkt entlastend und lassen neue Wege und Perspektiven zu.

Dieses Angebot richtet sich nun insbesondere an Frauen, die in einem Trennungsprozess fest stecken, die nach einer Trennung neuen Mut und Kraft für zukünftige Beziehungen schöpfen möchten, die einen geschützten Raum brauchen, um über ihre eigene Wut, Ängste und Sorgen laut nachdenken wollen.

Diese Angebotsform gilt selbstverständlich auch für Väter! Bei genügender Nachfrage und Anmeldung (mind. 6 Männer) starten wir auch wieder eine Vätergruppe.

Die Gruppentreffen finden im 14 tägigen Abstand für ca. 2 Stunden statt. Wenn Sie Interesse zur Teilnahme an diesem Angebot haben, nehmen Sie bitte über das Kontaktformular oder Anruf Kontakt zu uns auf. Sie erhalten dann weitere Informationen.

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Mai 05 2010

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B. Rapp

Ehekrieg | Verstrickung & Lösung

Nachdem die Phase der Verliebtheit erfolgreich überstanden ist, sind Paare angekommen in der Zeit der Paarbeziehung, wo der/die PartnerIn nicht mehr idealisiert werden kann. Alle Eigenarten, alle vermeintlichen Schwächen rufen nur noch wenig Toleranz hervor und es werden Versuche gestartet, den Partner einer Umerziehung zu unterziehen.

“Was tun Sie”, wurde Herr K. gefragt, “wenn Sie einen Menschen lieben?”

“Ich mache einen Entwurf von ihm”, sagte Herr K., “und sorge, dass er ihm ähnlich wird.”

“Wer? Der Entwurf?”

“Nein”, sagte Herr K.,”der Mensch.”

Schaffen Paare es nicht im Sinne dieses Berthold Brecht-Zitates inne zu halten und ihre Situation gemeinsam zu überdenken, kann dies weitreichende Folgen haben. Viel Energie wird verschwendet für chronisches Debattieren. Streiten führt zu heftigen Eskalationen. Schließlich kündigen fortdauernder Kampf, Gewalt und Kriegsführung die Trennung an. Wird jetzt die Meinung „Wenn doch nur der/die Andere sich geändert hätte“, aufrecht erhalten, lässt sich leicht eine Prognose für zukünftiges Scheitern der nächsten Paarbeziehung stellen. Es kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Wiederholung dieses Kreislaufs: Verliebt sein und die Faszination einen neuen Menschen kennenzulernen und lieben zu wollen. Schließlich wird der gleiche Punkt des Wunsches nach Umerziehung erreicht: „Wenn er/sie doch bloß anders wäre“.  Der Kreislauf beginnt von Neuem.

Manche andere haben die Nase voll von wiederholendem Beziehungsärger und der anstrengenden Beziehungsarbeit. Sie beschließen als Single allein zu bleiben.

Entscheiden sich Paare gegen Auseinandersetzungen und für ein paralleles Leben, dann  geht es weder mit noch ohne einander. Beim “alleine zu zweit leben” halten die Partner ein hohes Spannungsniveau auf lange Zeit aus. Eine vermeintliche Ruhe in der Partnerschaft trügt. Persönliche Weiterentwicklung kann sich auch hier nicht frei entfalten, da viele Facetten des notwendigen Erlebens quasi auf Eis liegen.

Egal, welcher Weg in Krisenzeiten eingeschlagen wird, hilfreich ist Unterstützung und Anteilnahme durch Beratung. Hier kann Reflektieren des eigenen Verhalten, Herausfinden von Zielen und Sinn für das eigene Leben und die Partnerschaft in geschütztem Raum begleitet werden.

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Apr 15 2010

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B. Rapp

Spaltung | Ein Merkmal bei hochstrittigen Konflikten

Abgelegt unter Allgemein

Ein wichtiges Ziel der menschlichen Entwicklung ist es, Erfahrungen zu machen, in denen Spaltung/Trennung möglich werden kann. Selbstregulierung und Selbstwirksamkeit sind bspw. Fähigkeiten, die nur über Spaltungsmechanismen erlernbar sind. Es braucht erlebtes, gefühltes Chaos, es braucht die Erfahrungen der Ambivalenz (z.B. ich liebe mein Kind – und – hasse seine Wutausbrüche), um handlungsfähig zu werden. Die Entscheidung trotz Gefühlschaos handeln zu können, schafft erneute Ordnung und Unterscheidung.

Spaltungsmechanismen in menschlichen Interaktionen werden jedoch nicht immer als sozial verträglich anerkannt. Bezogen auf einen äußeren Konflikt, insbesondere wenn er hochstrittig ist, wird von Konfliktparteien bspw. eine Spaltung in Gut oder Böse vorgenommen. Sind die erlittenen Verletzungen während eines Konflikts groß und gibt es keine anderen Schutzmöglichkeiten mehr, wird die stets andere Seite zum Verantwortlichen und Bösen erklärt. Die Spaltung kann jetzt helfen den eigenen Selbstwert wieder zu erlangen. Die eigene Verletztheit lässt sich besser aushalten, wenn der Andere als nicht normal, krank, bösartig, schlecht und verrückt bezeichnet werden kann, bzw. man sich selbst dadurch als gesund und moralisch integer erleben kann. Der Angreifer wird als Projektionsfläche für die eigenen negativen Gefühle benutzt.

Die Spaltung in Gut (ich selbst) und Böse (der/die Andere) rechtfertigt demnach eigenes Handeln und ist ein gutes Gegenmittel gegen Schuldgefühle. Es müssen quasi die gleichen Kriegswaffen benutzt werden, um das Böse abzuwehren („Ich habe ja nur, weil ….“  „Ich musste, weil er/sie ….“ )

Enden Konflikte in der Hochstrittigkeit, dann ist eine der wesentlichsten Fähigkeiten menschlichen Miteinanders auf der Strecke geblieben. Um das Gefühl, einen starken Angreifer überleben zu können, zu erhalten, muss der vermeintlich Angegriffene sein Einfühlungsvermögen auf Eis legen. Empathisches Mitfühlen und Mitdenken muss abgespalten werden und es müssen Verbündete gefunden werden, die sich in den Sog des miteinander Kämpfens hineinziehen lassen.

Beratung in solch eskalierenden Konflikten kann unterstützen. Sie kann helfen, die erlittenen Kriegswunden zu versorgen und zu pflegen. Sie kann vermeiden helfen, das die eigene Gesundheit einen zu großen Schaden nimmt. Sie lädt ein, das Kampffeld wenigstens kurzfristig zu verlassen, um zu schauen, was im Alltagsumfeld doch auch noch gut funktioniert, welchen Sinn dieser Streit macht und welche lohnenden und sinnbringenden Alternativen das eigene Leben bietet.

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Mrz 31 2010

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E. Bohrisch

Leitungsarbeit und Familienarbeit, ein gespanntes Verhältnis

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Nur mit vollem Einsatz können Leitungskräfte und Manager die Aufgaben, die sich ihnen stellen, bewältigen. Dazu auch ein glückliches, gewinnbringendes Paar- und Familienleben zu führen ist schwierig bis problematisch. Familienarbeit auf der einen Seite und Leitungsarbeit auf der anderen stehen miteinander in Konflikt um die Verteilung von Aufmerksamkeit und Zeit. Lässt sich Aufmerksamkeit bei vorhandenem Willen mit emotionaler Disziplin durchaus noch gerecht verteilen, so ist das Zeitmanagement in höchstem Maße schwierig.Beide Bereiche erfordern ein Mindestmaß an Zeit, die zusammen mit der nötigen Erholungszeit und Zeiten zur persönlichen Rekreation wie Sport im Tagesdurchschnitt mehr als 24 h ergeben. Eine Aufgabe, die eigentlich unlösbar erscheint.

Aus dieser Situation entstehen oft konfliktträchtige Situationen für beide, den Betrieb und die Familie. Betriebe, die sich in krisenhaften Zuständen befinden, führen oft auch zu Spannungen und Konflikten innerhalb von Familien. Umgekehrt führen Paar- und Familienkonflikte, insbesondere wenn sie über lange Zeit anhalten, zu Mängeln in der Leitungsarbeit und damit zur Gefährdung von Betrieben. Besonders häufig gilt dies für kleine, mittelständische Familienunternehmen und die damit verbundenen Familien. Ehen zerbrechen, Heranwachsende brechen aus, Betriebe verlieren Aufträge, Insolvenzen drohen. In all diesen Situationen ist die Frage, womit der Teufelskreis der Probleme begann, sinnlos. Die alte Frage nach Henne und Ei, wer zuerst war, ist bekanntlich eine falsche Frage. Hilfreich ist vielmehr eine Gesamtbetrachtung.

Menschen, die aus Unternehmerfamilien stammen oder gar aus Familienunternehmen, die an den Eltern beobachten konnten, wie der Spagat zwischen Leitungsaufgaben und Familienarbeit bewältigt werden kann, haben deutlich bessere Chancen als andere, die aus anderen Kulturen unserer Gesellschaft stammen. Daran sieht man, dass Zeitmanagement und angemessene Verteilung der persönlichen Aufmerksamkeit zwischen Arbeit und Familie offensichtlich erlernbar ist.

Hier in kurzer Zusammenfassung einige Aspekte von Leitungsarbeit und Familienarbeit, die vielleicht zu Komplikationen in der Paarbeziehung und mit der Familie führen:

Lange Arbeitszeit und häufige Geschäftsreisen stören oder unterbrechen gar den nötigen Austausch innerhalb der Familie.Hinzu kommt ein oft wenig disziplinierter Umgang mit Zeit, mit Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse der Umwelt.

Mitunter wird der Arbeit des Partners der Partnerin durchgängig mit mangelndem Interesse und geringer Wertschätzung begegnet.

Die tägliche enge Zusammenarbeit mit anderen Frauen bzw. Männern im Betrieb führt leicht zu Affären.

Alltagssorgen und Erziehungssorgen bleiben oft einseitig dem Partner zugeordnet, der zu Hause arbeitet. Beim abendlichen Zusammentreffen in der Familie sind sie dann oft erstes Thema und treffen den Nachhause-Kommenden, der sich auf Ruhe freut, wie eine kalte Dusche.

Durch gemeinsame Arbeit, wenn nötig durch äußere Hilfe durch Beratung oder Coaching, lassen sich diese Hindernisse durchaus verändern und durch konstruktiveres Verhalten ersetzen. Das gilt, obwohl die Zeitnot in diesen Beziehungen objektiv vorhanden ist. Stammen die Partnerinnen und Partner aus einer Unternehmerfamilie, gelingt es meist besser, die durch die Arbeitssituation nahe liegenden Probleme von vornherein zu bewältigen.

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Mrz 08 2010

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B. Rapp

Kosten und Nutzen eines Paarberatungsprozesses

Viele Paare erzählen, wenn sie in Beratung kommen, dass sie das Ziel haben herauszufinden, ob sie sich trennen sollen. Sie berichten, dass sie in der Vergangenheit schon mehrmals an diesem Punkt angelangt waren. Die Entscheidung, ein klares inneres Nein gegen das ehemals innere Ja für die Partnerschaft zu setzen, zeigt, in welch gewaltigem Kraftakt sie sich befinden. Er ist mit sehr viel Nachdenken, Energieverlust, negativen Gefühlen und Zeitaufwand verbunden und die Kraft hat bisher nicht ausgereicht, zu einem eindeutigen Ergebnis und Handeln zu kommen.

Es gibt viele gute Gründe, die sich abzeichnenden Veränderungen im Leben der Beziehungspartner mit wiederholenden Anläufen anzugehen. Kein Mensch verändert sich gerne. Jeder erhält am liebsten den status quo, in dem er lebt aufrecht. Gemeinsamen Kinder, wirtschaftliche Abhängigkeit, Trauer um das gescheiterte Lebensmodell sind die wichtigsten Gründe.  Wird das Erleben im miteinander dann immer unerträglicher, folgen manchmal unterschiedliche Lösungsmodelle, um die Situation erst einmal abzumildern. Das können Liebesaffären sein, um sich vermeintlich emotional mal wieder satt zu machen. Das kann die Flucht in die Arbeit sein, um gemeinsamer Zeit aus dem Weg zu gehen. Das kann ein innerer und äußerer Rückzug sein, um den Anderen an seinem Leben nicht mehr teilhaben zu lassen. Auch Krankheiten oder sogenannte auffällige Kinder werden manchmal als Umgehungskreislauf genutzt. All dies sind hohe Preise, die die Partner auf sich nehmen, bevor sie sich in der Lage fühlen, über sich und ihre Beziehung wirklich ernsthaft nachzudenken.

Es ist auch nicht von der Hand zu weisen: Paarberatung

  • beinhaltet eine Investition an Zeit, Energie und Geld
  • beinhaltet ein großes Risiko, da das Ergebnis manchmal lange Zeit offen bleibt und dies ausgehalten werden muss
  • beinhaltet die Bereitschaft vergangene Verletzungen anzuschauen und zu bearbeiten und Versöhnung zuzulassen
  • ist die Bereitschaft, mehr über sich selbst und den Partner erfahren zu wollen, als das, was man schon zu wissen glaubt
  • ist nicht nur die Arbeit an der Beziehung, sondern hauptsächlich an sich selbst, mit dem Gewinn, den Partner viel intensiver kennen zu lernen und sich selbst besser zu verstehen

Paare, die den Aufwand und die Arbeit eines unterstützenden Beratungsprozesses auf sich genommen haben berichten, dass sie vor allem viel gelernt haben über sich selbst und ihre eigene Beziehungsfähigkeit. Das sie es geschafft haben, nicht nur ihre persönliche Entwicklung, sondern auch die Partnerschaft als Entwicklungsprozess zu sehen, dessen Gestaltung gelernt werden kann.

Unabhängig ob am Ende des Beratungsprozesses eine Trennung oder eine Wiederannäherung stattgefunden hat, das Erleben von verstanden worden sein, entschleunigt zu haben, aus dem Gefühlschaos ausgestiegen zu sein und sich im Selbstwert wieder gestärkt zu fühlen, benennen beide Partner gleichermaßen als Gewinn. Ihr Mut ist gewachsen entweder für ein ICH UND WIR neu einzustehen, oder für den Schritt in einen Abschied mit dem anstehenden Trauerprozess. Auf jeden Fall ist der Mut für neue Schritte vorhanden.

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Feb 28 2010

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E. Bohrisch

Scheidung oder Paarberatung?

Irgendwann entscheiden viele Paare, dass sie auf Dauer zusammenleben wollen. Sie planen eine gemeinsame Zukunft, sie denken über Kindern nach, eventuell bauen sie gemeinsam ein Haus. Wie beim Aufbruch zu einer Urlaubsreise ist das Paar in Hochstimmung, voller Optimismus für die gemeinsame Zukunft. Manche heiraten, manche entschließen sich, ohne diese Rechtsform den Rest ihres Lebens zusammenzubleiben.

Nach den ersten 2-3 Jahren kehrt der Alltag unübersehbar zurück. Gewohnheiten und Eigenarten des Partners, der Partnerin, die im Zustand des Verliebtseins übersehen wurden, beginnen zu ärgern und zu nerven. Das Paar versucht sich wechselseitig zu erziehen. Das ist jedoch immer vergeblich. Welcher erwachsene Mensch will sich schon umerziehen lassen, der andere wird vielmehr als kleinlich, spießbürgerlich oder gar gemein erlebt. Verschärft wird das Ganze durch steigenden Stress im Alltagsleben, durch Karrieren, Schwangerschaften und Geburt eines Kindes. Gelingt es jetzt nicht, in einen fruchtbaren Austausch zu gelangen, kommt es zu einer bedrohlichen Krise.

Die Partner denken darüber nach sich trennen. Der Versuch, gemeinsam einen Neubeginn zu versuchen, sich auf das zurück zu besinnen was zum Verliebtsein geführt hat, was die Partner aneinander anziehend und liebenswert fanden, wird nicht unternommen. Da man sich gegenseitig als rücksichtslos und lernresistent erlebt hat, scheint die Trennung eine schnellere Lösung zu bieten. Sie ist jedoch mit großen Schmerzen, mit Streit und meist auch mit erheblichen finanziellen Kosten verbunden.

Die Alternative ist, dass das Paar sich miteinander auf den Weg macht und gemeinsam einen Neuanfang wagt. Sicher ist der Erfolg auch hier nicht ohne Kosten an Zeit, Schmerzen und Enttäuschungen zu erreichen. Das gilt übrigens für jedes Lernen. Der Gewinn liegt jedoch neben der Chance auf eine gemeinsame erfüllte Zukunft in einem Mehr an Lebenserfahrung und persönlicher Reife. Viele Paare bewältigen diesen gemeinsamen Lernprozess, indem jeder seine eigenen Fehler selbst ändern muss, ohne fremde Hilfe. Häufig ist jedoch fachliche Hilfe durch Beraterinnen und Berater angezeigt. In ihrer Begleitung ist der Lernprozess des Paares meistens kürzer und auch erfolgreicher.

Paarberatung und Eheberatung findet man in öffentlichen Beratungsstellen und in Praxen wie der unseren.

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Feb 05 2010

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E. Bohrisch

Zeugnissorgen | Schulprobleme

Zweimal im Jahr ist dieses Thema akut. Zweimal im Jahr schlagen die Wellen in den betroffenen Familien hoch. Was mich dabei wundert, ist die Tatsache, dass Noten in Zeugnissen keine plötzlichen, unvorhersehbaren Ereignisse sind. Bei normaler Anteilnahme am Alltag der Schülerinnen und Schüler sollten Eltern schon lange vorher wissen, dass ihre Kinder sich auf ein Problem zu bewegen. Statt des plötzlichen Erschreckens hilft eine freundliche ständige Aufmerksamkeit der Eltern. Man kann dann Probleme, die sich ankündigen, in einer ruhigen zugewandten Atmosphäre besprechen, Lösungen finden und sie in die Tat umzusetzen. Saisonal sich wiederholende Aufregung und Hektik verhindern im Gegensatz dazu Lernen und Veränderung. Wenn Eltern konsequent und gemeinsam an einem Strang ziehen und sich nicht gegenseitig ausbremsenkaum sind die meisten Schwierigkeiten auf diesem Wege zu lösen.

Was ist jedoch zu tun wenn die Kids sich auch freundlicher Anteilnahme verweigern? In der Pubertät laufen so viele Veränderungen im Körper insbesondere im Gehirn der Jugendlichen kommt dass sie oft selbst nicht wissen was sie wollen sollen oder sogar selbst wollen. Auch hilft nur mit gleich bleibender Konsequenz und Freundlichkeit mit ihnen umzugehen. Auch hier gilt, dass Fehlerfreundlichkeit weiterführt als pädagogische und moralische Appelle.

Wenn Eltern sich unsicher sind wie sie reagieren sollen, wenn das Problem zu lange anhält, dann ist es hilfreich fachlichen Rat in einer Beratungseinrichtung wie der unseren ( IFK-E ) oder in einer öffentlichen Beratungsstelle aufzusuchen. Dort können Eltern und betroffene Schüler in einer neutralen und ruhigen Atmosphäre mit einer Beraterin oder einem Berater sich Sicherheit dafür holen, dass sie ohnehin schon auf dem richtigen Weg sind. Oft ergeben sich im Beratungs-Prozess auch neue und einfachere Möglichkeiten Lernen, und Familienleben erfolgreicher und zufrieden stellender zu gestalten.

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Jan 01 2010

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E. Bohrisch

Gute Vorsätze | Umsetzung

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Der Beginn eines neuen Jahres ist die Zeit von Plänen und guten Vorsätzen. Vieles soll in Angriff genommen werden, was man sich schon lange vorgenommen hatte. Es gibt Pläne, mehr Elan in die Arbeit zu legen oder Pläne, schlechte Angewohnheiten endlich durch sinnvolleres Verhalten zu ersetzen. Nach einigen Wochen des neuen Jahres sind alle diese Pläne und guten Vorsätze deutlich schwächer und blasser geworden. Was ist passiert?

Hier einige grundsätzlichen Überlegungen zum erfolgreichen Lernen und  zur erfolgreichen Umsetzung guter Vorsätze; denn Verhaltensänderungen erfordern Lernprozesse. Wenn es um unser Verhalten geht, das wir verbessern wollen, so ist das bloße Nachdenken darüber wie das gehen könnte, was ich besser machen will, ziemlich unwirksam, ist es verschwendete Energie. Verhaltensweisen kann ich nur optimieren wenn ich handele. Fahrradfahren lerne ich nie, wenn ich darüber nachdenke, dass ich mich besser auf ein Fahrrad setzen würde.

Wenn ich also lernen will, nicht mehr zu rauchen, nutzt es nichts, wenn ich bei einer guten Zigarette mir einen Plan mache wie ich das anstelle. Ich muss die Zigarette, die ich schon im Mund habe, wieder in die Schachtel zurückstecken und die Schachtel beiseite legen. Und dann kommt das Wichtigste: Ich muss mir dafür, dass ich es geschafft habe, diesmal anders zu handeln, Lob und Anerkennung geben und mir selbst deutlich machen, wie toll das ist, was mir gerade gelungen ist. Nur dadurch aktiviere ich das Belohnungssystem in meinem Gehirn, das dafür sorgt, dass das neue Verhalten auch in meinem Gehirn gespeichert wird.

Noch ein zweites Beispiel. Wenn ich einem Kind helfen will, mehr Nutzen aus seiner Hausarbeit für die Schule zu ziehen, ist es ziemlich sinnlos, pädagogische Grundsatzreden über die Notwendigkeit fleißiger Arbeit zu halten. Das erzeugt, wie jeder von uns aus eigener Erfahrung weiß, nur schlechte Gefühle, die sich das Gehirn als Signal dafür merkt, am besten gleich alle Schotten dicht zu machen. Wirkungsvoll ist im Gegensatz dazu, dass ich dem Kind, während es sich mit der Arbeit handelnd d.h. schreibend, lesend, etc. abmüht, zu verstehen gebe, dass ich es toll finde, wie viel Mühe es sich gibt und dass ich sehe, dass die Mühe auch etwas bringt.

Diese Strategie wird es übrigens auch dem Erwachsenen leichter machen, Kinder bei der Schularbeit zu unterstützen, da auch sie durch die positivere Rückmeldung des Kindes in ihrem Verhalten bestärkt werden. Das Belohnungssystem auch ihres Gehirns wird aktiviert, wenn das Kind, das sie bei den Arbeiten begleiten, statt Widerstand zu zeigen sich um die Lösung der Aufgaben bilden.

So leicht wie ich das hier geschildert habe, ist es häufig im Alltag nicht. Wenn es nicht gelingt, gute Vorsätze in Handeln und zwar in genussvolles Handeln umzusetzen, empfiehlt es sich, äußere Hilfe in Anspruch zu nehmen, Menschen, die die Rolle übernehmen, Anerkennung und Ermutigung zuzusprechen.

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Nov 30 2009

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B. Rapp

Das “Spielen” in Therapie und Beratung | Warum systemisch? | zum Vierten

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Bedeutung von szenischem, spielerischem Handeln

Die meisten Menschen kennen Rollenspiele aus eigener Erfahrung. Als Kind gehört es zur Selbstverständlichkeit soziale Kompetenzen im Rollenspiel zu erlernen und zu trainieren. Kinder bedienen sich ihrer Fantasie und befinden sich noch in der magisch-animistischen Phase. Die Geschichten die sie hören und die Modelle, die sie in ihrer Familie/Umfeld erleben, spielen sie auf vielen Ebenen kreativ und fantasievoll nach. Sie sind z.B. Mutter-Vater-Kind, Prinzessinnen, Indianer, Cowboy, Supermann und Räuber, in Computerspiele nutzen sie Figuren aus der fiktiven, medialen Welt. Sie gestalten ihre reale Spiel-Welt mit Figuren (Lego, Bauklötze, Puppenhäuser, Puppen, Tierfiguren), stellen Bühnen her, verkleiden sich und spielen im Internet Interaktionsspiele.
Als „Spieler“ tauchen sie in ihr Spiel ein und ihre dort eingenommene Rolle beschreibt zu diesem Zeitpunkt ihre Wirklichkeit. Sie vergessen ihre Alltagsrolle, stellen sich ständig neuen Aufgaben und Herausforderungen und haben Spaß dabei. Der Effekt ist, so neben bei, dass sie bestimme Fertigkeiten im sozialen Umgang miteinander lernen und sich spielerisch neues Wissen über komplexe Zusammenhänge aneignen.

Im Reifungsprozesses vom Kind zum Erwachsenen verändern die Menschen ihre Art zu Denken. Das magischen Denken verliert an Relevanz, das rational-logische und operative Denken nimmt zu. Begegnet Erwachsene wieder Unbekanntes, Unverständliches, Verunsicherndes, mit Gefühlen der Hilflosigkeit einhergehende oder aufregende Situationen, dann greifen sie manchmal wieder auf magische Bewältigungsstrategien zurück. Wir alle kennen Horoskope, Maskottchen, Traumfänger, Schutzengel und das Klopfen auf Holz.

Wirkungshintergrund

Der evolutionäre Schritt zur Sprache und selbstreflexivem Bewusstsein hat es uns Menschen erlaubt, unser Ich von sich selbst und der Außenwelt abzuheben. Wir können uns selbst – Körper, Denken, Gefühle, Verhalten usw.- wie einen Gegenstand zu betrachten. Dadurch entstand ein innerer, weitgehend symbolischer Vorstellungsraum, der es uns ermöglicht, unser Leben voraus zu planen und zu üben, als ob zu handeln. Der innere Vorstellungsraum ist dabei ein Raum, in dem innere Begebenheiten herum-stehen, vorgestellt, angeschaut und begriffen werden, etwas im voraus durch-gegangen wird usw.

Das Spielen (Berater nennen dies Externalisieren) stellt genau diesen inneren Vorstellungsraum im außen dar. Beim Externalisieren werden innen befindliche Gefühle, Gedanken und Beschreibungen eigenen Verhaltens nach außen verlagert (projeziert). Dort werden sie entweder virtuell als Worte oder real als Objekte oder Personen dargestellt (Gedanken, Gefühle werden objektiviert, verdinglicht, versachlicht, distanziert). Die Folge ist, dass Menschen ein anderer verhaltensmäßiger, sprachlicher, affektiver und kognitiver bzw. logischer, symbolischer oder realer Umgang mit diesen Objekten ermöglicht wird.
Die meisten Sinneskanäle werden gleichzeitig angesprochen: Aussprechen entgegen innerer Dialoge, sehen der Figuren entgegen innerer Imagination, anfassen der Figuren entgegen ruhender Sensorik, spontan handeln entgegen verharren. Es entsteht eine sehr gute Passung zwischen innerpsychischem und äußerem Geschehen entgegen der rein sprachlichen Abbildung.

Wirkfaktoren

Wird auf diesem Hintergrung mit Klienten gearbeitet, so ist es wichtig, dass dieser so viel wie möglich selbst „macht“ und das er stets eigenverantwortlich bleibt. Zirkuläres Fragen hilft dabei ihm gegenüber neutral und offen zu bleiben. Er erlebt real, wie er seine Gedanken und Gefühle in den Händen hält und damit umgeht, er erlebt sinnlich die Macht seiner Gedanken und deren Tat-Werdung. Dadurch verschwinden augenblicklich alle Gefühle der Hilflosigkeit oder des Keine- Kontrolle-über-das-Problem-Habens. Die Klienten werden vom passiven Problemopfer zum aktiven Lösungshelfer (Retzer) und das gänzlich ohne Direktiven.

Der Vorteil aller Rollenspielarten, die in der Therapie und Beratung eingesetzt werden ist die Erkenntnisgewinnung für sich selbst und das Verstehen von Zusammenhängen im Beziehungsgeschehen. Dies wird nicht nur im Kopf, d.h. kognitiv (rational-logisch) hergestellt. Die Erkenntnis, im Spiel, bzw. Handeln erworben, „sickert“ vielmehr vor dem bewussten Erkennen schon durch alle Wahrnehmungskanäle. Sie werden im Körper verankert und können direkt wirken. Vorher festgelegte Programme und Verhaltensmuster werden quasi ohne vorherige Planung automatisch um- und weiter geschrieben. Die Wirkungen treten oft unglaublich schnell ein, scheinbar so, als instruiere ein System sich augenblicklich selbst zu einem neuen Zustand hin, als habe man es mit einer plötzlichen Entscheidung für das Neue zu tun. (Autopoiese)

Praktische Umsetzung

Das stärkste Instrument ist der eigene Körper, der sich konkret handelnd, “inszenierend”  hinein versetzt in

  • andere Personen (Mutter, Chef, Partner, Freund, Kind, Kollege, Kunde, … )
  • Gefühle (Trauer, Angst, Liebe, … )
  • Ideen (neue Berufsrolle, Urlaubsziel, … )
  • Erinnerungen (Prüfungssituation, … )

Beim Hinstellen und Bewegen von Figuren nimmt der Klient das eigene innere Bild (seine Vorstellung von etwas) in seine Hände und externalisiert es damit nach außen, z.B. mit

  • Steinen
  • Puppen
  • Kissen
  • Stühlen

Beim Visualisieren, Imaginisieren spricht der Klient über seine inneren Bilder. Er projeziert und beschreibt diese über die Sprache, z.B. wie auf eine

  • Leinwand
  • oder in einem Film

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