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Archiv für die Kategorie 'Beratung'

Mrz 08 2010

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B. Rapp

Kosten und Nutzen eines Paarberatungsprozesses

Viele Paare erzählen, wenn sie in Beratung kommen, dass sie das Ziel haben herauszufinden, ob sie sich trennen sollen. Sie berichten, dass sie in der Vergangenheit schon mehrmals an diesem Punkt angelangt waren. Die Entscheidung, ein klares inneres Nein gegen das ehemals innere Ja für die Partnerschaft zu setzen, zeigt, in welch gewaltigem Kraftakt sie sich befinden. Er ist mit sehr viel Nachdenken, Energieverlust, negativen Gefühlen und Zeitaufwand verbunden und die Kraft hat bisher nicht ausgereicht, zu einem eindeutigen Ergebnis und Handeln zu kommen.

Es gibt viele gute Gründe, die sich abzeichnenden Veränderungen im Leben der Beziehungspartner mit wiederholenden Anläufen anzugehen. Kein Mensch verändert sich gerne. Jeder erhält am liebsten den status quo, in dem er lebt aufrecht. Gemeinsamen Kinder, wirtschaftliche Abhängigkeit, Trauer um das gescheiterte Lebensmodell sind die wichtigsten Gründe.  Wird das Erleben im miteinander dann immer unerträglicher, folgen manchmal unterschiedliche Lösungsmodelle, um die Situation erst einmal abzumildern. Das können Liebesaffären sein, um sich vermeintlich emotional mal wieder satt zu machen. Das kann die Flucht in die Arbeit sein, um gemeinsamer Zeit aus dem Weg zu gehen. Das kann ein innerer und äußerer Rückzug sein, um den Anderen an seinem Leben nicht mehr teilhaben zu lassen. Auch Krankheiten oder sogenannte auffällige Kinder werden manchmal als Umgehungskreislauf genutzt. All dies sind hohe Preise, die die Partner auf sich nehmen, bevor sie sich in der Lage fühlen, über sich und ihre Beziehung wirklich ernsthaft nachzudenken.

Es ist auch nicht von der Hand zu weisen: Paarberatung

  • beinhaltet eine Investition an Zeit, Energie und Geld
  • beinhaltet ein großes Risiko, da das Ergebnis manchmal lange Zeit offen bleibt und dies ausgehalten werden muss
  • beinhaltet die Bereitschaft vergangene Verletzungen anzuschauen und zu bearbeiten und Versöhnung zuzulassen
  • ist die Bereitschaft, mehr über sich selbst und den Partner erfahren zu wollen, als das, was man schon zu wissen glaubt
  • ist nicht nur die Arbeit an der Beziehung, sondern hauptsächlich an sich selbst, mit dem Gewinn, den Partner viel intensiver kennen zu lernen und sich selbst besser zu verstehen

Paare, die den Aufwand und die Arbeit eines unterstützenden Beratungsprozesses auf sich genommen haben berichten, dass sie vor allem viel gelernt haben über sich selbst und ihre eigene Beziehungsfähigkeit. Das sie es geschafft haben, nicht nur ihre persönliche Entwicklung, sondern auch die Partnerschaft als Entwicklungsprozess zu sehen, dessen Gestaltung gelernt werden kann.

Unabhängig ob am Ende des Beratungsprozesses eine Trennung oder eine Wiederannäherung stattgefunden hat, das Erleben von verstanden worden sein, entschleunigt zu haben, aus dem Gefühlschaos ausgestiegen zu sein und sich im Selbstwert wieder gestärkt zu fühlen, benennen beide Partner gleichermaßen als Gewinn. Ihr Mut ist gewachsen entweder für ein ICH UND WIR neu einzustehen, oder für den Schritt in einen Abschied mit dem anstehenden Trauerprozess. Auf jeden Fall ist der Mut für neue Schritte vorhanden.

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Feb 28 2010

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E. Bohrisch

Scheidung oder Paarberatung?

Irgendwann entscheiden viele Paare, dass sie auf Dauer zusammenleben wollen. Sie planen eine gemeinsame Zukunft, sie denken über Kindern nach, eventuell bauen sie gemeinsam ein Haus. Wie beim Aufbruch zu einer Urlaubsreise ist das Paar in Hochstimmung, voller Optimismus für die gemeinsame Zukunft. Manche heiraten, manche entschließen sich, ohne diese Rechtsform den Rest ihres Lebens zusammenzubleiben.

Nach den ersten 2-3 Jahren kehrt der Alltag unübersehbar zurück. Gewohnheiten und Eigenarten des Partners, der Partnerin, die im Zustand des Verliebtseins übersehen wurden, beginnen zu ärgern und zu nerven. Das Paar versucht sich wechselseitig zu erziehen. Das ist jedoch immer vergeblich. Welcher erwachsene Mensch will sich schon umerziehen lassen, der andere wird vielmehr als kleinlich, spießbürgerlich oder gar gemein erlebt. Verschärft wird das Ganze durch steigenden Stress im Alltagsleben, durch Karrieren, Schwangerschaften und Geburt eines Kindes. Gelingt es jetzt nicht, in einen fruchtbaren Austausch zu gelangen, kommt es zu einer bedrohlichen Krise.

Die Partner denken darüber nach sich trennen. Der Versuch, gemeinsam einen Neubeginn zu versuchen, sich auf das zurück zu besinnen was zum Verliebtsein geführt hat, was die Partner aneinander anziehend und liebenswert fanden, wird nicht unternommen. Da man sich gegenseitig als rücksichtslos und lernresistent erlebt hat, scheint die Trennung eine schnellere Lösung zu bieten. Sie ist jedoch mit großen Schmerzen, mit Streit und meist auch mit erheblichen finanziellen Kosten verbunden.

Die Alternative ist, dass das Paar sich miteinander auf den Weg macht und gemeinsam einen Neuanfang wagt. Sicher ist der Erfolg auch hier nicht ohne Kosten an Zeit, Schmerzen und Enttäuschungen zu erreichen. Das gilt übrigens für jedes Lernen. Der Gewinn liegt jedoch neben der Chance auf eine gemeinsame erfüllte Zukunft in einem Mehr an Lebenserfahrung und persönlicher Reife. Viele Paare bewältigen diesen gemeinsamen Lernprozess, indem jeder seine eigenen Fehler selbst ändern muss, ohne fremde Hilfe. Häufig ist jedoch fachliche Hilfe durch Beraterinnen und Berater angezeigt. In ihrer Begleitung ist der Lernprozess des Paares meistens kürzer und auch erfolgreicher.

Paarberatung und Eheberatung findet man in öffentlichen Beratungsstellen und in Praxen wie der unseren.

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Feb 05 2010

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E. Bohrisch

Zeugnissorgen | Schulprobleme

Zweimal im Jahr ist dieses Thema akut. Zweimal im Jahr schlagen die Wellen in den betroffenen Familien hoch. Was mich dabei wundert, ist die Tatsache, dass Noten in Zeugnissen keine plötzlichen, unvorhersehbaren Ereignisse sind. Bei normaler Anteilnahme am Alltag der Schülerinnen und Schüler sollten Eltern schon lange vorher wissen, dass ihre Kinder sich auf ein Problem zu bewegen. Statt des plötzlichen Erschreckens hilft eine freundliche ständige Aufmerksamkeit der Eltern. Man kann dann Probleme, die sich ankündigen, in einer ruhigen zugewandten Atmosphäre besprechen, Lösungen finden und sie in die Tat umzusetzen. Saisonal sich wiederholende Aufregung und Hektik verhindern im Gegensatz dazu Lernen und Veränderung. Wenn Eltern konsequent und gemeinsam an einem Strang ziehen und sich nicht gegenseitig ausbremsenkaum sind die meisten Schwierigkeiten auf diesem Wege zu lösen.

Was ist jedoch zu tun wenn die Kids sich auch freundlicher Anteilnahme verweigern? In der Pubertät laufen so viele Veränderungen im Körper insbesondere im Gehirn der Jugendlichen kommt dass sie oft selbst nicht wissen was sie wollen sollen oder sogar selbst wollen. Auch hilft nur mit gleich bleibender Konsequenz und Freundlichkeit mit ihnen umzugehen. Auch hier gilt, dass Fehlerfreundlichkeit weiterführt als pädagogische und moralische Appelle.

Wenn Eltern sich unsicher sind wie sie reagieren sollen, wenn das Problem zu lange anhält, dann ist es hilfreich fachlichen Rat in einer Beratungseinrichtung wie der unseren ( IFK-E ) oder in einer öffentlichen Beratungsstelle aufzusuchen. Dort können Eltern und betroffene Schüler in einer neutralen und ruhigen Atmosphäre mit einer Beraterin oder einem Berater sich Sicherheit dafür holen, dass sie ohnehin schon auf dem richtigen Weg sind. Oft ergeben sich im Beratungs-Prozess auch neue und einfachere Möglichkeiten Lernen, und Familienleben erfolgreicher und zufrieden stellender zu gestalten.

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Jul 16 2009

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B. Rapp

Trennungs-/Scheidungs Kindergruppe | Ein Bericht

Die Lebensberatungsstelle Bad Kreuznach hat mit der Unterstützung des Mehrgenerationenhauses, der Familienbildungsstätte und der Jugendämter Bad Kreuznach zum wiederholten male diese Gruppe mit großem Erfolg ausgerichtet.

Das Gruppenangebot der TSK-Gruppe richtet sich an Kinder und Eltern von Trennungsfamilien, sowie neue Partnerinnen und Partner. Bei 12 wöchentlichen Gruppentreffen, Vor- und Nachbereitung dauert das gesamte Projekt ca. 5-6 Monate. Das Angebot bietet Bewältigungsstrategien auf verschiedenen Ebenen der Familie an. Durchgeführt werden die Kurse von zwei systemischen Familientherapeutinnen.

Nach der Regelung der institutionellen Rahmenbedingungen, Kostenplan und Festlegung aller Termine für die TSK-Gruppe informieren wir Presse und Fachkollegen vor Ort.

Da die Gruppengröße auf 6-7 Kinder beschränkt ist, gibt es mehr Anfragen als wir annehmen können. Unsere letzte Gruppe bestand aus sieben 8-10 jährigen Mädchen und Jungen.

Das Anmeldeverfahren

Nachdem ein Elternteil Kontakt mit uns aufgenommen hat findet ein Aufnahmegespräch statt. Wir klären, ob beide Eltern gemeinsam kommen können, bei Hochstrittigkeit der Eltern laden wir getrennt ein und nehmen gegebenenfalls selbst den Kontakt zum anderen Elternteil auf. Es ist wichtig, dass die Kinder sicher sind, dass Vater und Mutter wissen und unterstützen, dass sie in diese TSK-Gruppe gehen. Wir möchten beide Eltern kennen lernen, etwas über ihre Beziehung zum Kind und ihre Sichtweisen zur Trennungsgeschichte erfahren.

Ablauf des ersten Elterngesprächs

Wir bitten die Eltern, erst aus ihrer eigenen Sicht und möglichst auch aus der Sicht ihres Kindes diese Krisenzeit in Bezug auf Belastungen, Veränderungen im Verhalten, Schule, soziale Kontakte, Freizeit und Freunde zu beschreiben. Wir möchten wissen, welche Wünsche das Kind wohl selbst haben könnte, bzw. sie als Eltern für ihr Kind haben und was am Ende der Gruppenzeit anders sein soll.

Wir geben den Eltern Informationen über den Ablauf der Gruppenstunden und die Gruppenthemen, den Elternabend und die regelmäßig durchgeführten Mütter- und Vätertreffen.

Nach erfolgreicher Anmeldung schicken wir den Kindern ca. eine Woche vor Gruppenbeginn einen Brief, indem wir uns vorstellen und sie zum ersten Gruppentreffen einladen.

Durchführung der Gruppenstunden für die Kinder

Es ist uns wichtig den Kindern mit einer äußeren Rahmung Sicherheit und Verlässlichkeit in der Zeit ihrer großen Orientierungslosigkeit zu bieten. Deshalb legen wir großen Wert darauf, die Struktur der Gruppenstunden stets nach einem ähnlichen Muster ablaufen zu lassen. Es gibt die Sequenzen Ankommen und Begrüßung im Flur, Ankommen im Gruppenraum auf dem eigenen Platz, Gruppenspiel, thematisches Arbeiten. Pause mit Getränken, Obst und Keksen, um die dort informelle Kontaktmöglichkeit der Kinder untereinander zu ermöglichen und Spiel oder Wahrnehmungsübungen, Verabschiedung.

Inhalte/Ziele der Gruppenzeit

  • Kennenlernen und in Kontakt gehen

  • Aus einer Familie werden zwei Familien, veränderte Wohn- und Lebensräume, neue Partner der Elternteile und deren Kinder, Anerkennung unterschiedlicher Lebensmodelle

  • Umgang mit und Ausdrucksmöglichkeiten von Gefühlen, sicherer Ort, Selbstregulierung

  • Realistische und unrealistische Wünsche, aussprechbare und unaussprechbare Wünsche im Zusammenhang ihrer derzeitigen Familiensituation

  • Wertschätzung, Ehrung, Würdigung jedes einzelnen Kindes (z.B. „Spielleiter“, „Krönungszeremonie“, „ich mag an dir“ – Karten) und Respekt gegenüber den anderen Kindern und GruppenleiterInnen

  • Perspektiverweiterung und Empathie

  • Planung und aktive Gestaltung des Abschieds von der Gruppe

Die oben genannten Themen bilden einen relativ lockeren roten Faden für den Ablauf der Gruppenzeit. Wir wissen um unsere Ziele, arbeiten prozessorientiert und lassen uns auf die Kinder ein. Wir reagieren situativ auf das, was sie uns aktuell an Verhalten zeigen und mitbringen.

Beispiel zum Inhalt der ersten Gruppenstunde

Nach der Begrüßung aller Kinder bereits im Flur betreten wir gemeinsam den vorbereiteten Gruppenraum. Er bietet genug Platz, dass wir mit Matten einen großen Stern legen können, so dass für jedes Kind ein „kleines Feld“ als eigener Raum auf dem Boden zur Verfügung steht. Dieser Platz ist groß genug zum Sitzen, Liegen, Alleine-sein oder jemanden zu sich einzuladen. Dieser eigene Raum wird in der ersten Stunde intensiv „erkundet“. Seine Grenzen und Begrenzungen, d.h. Länge, Breite, Höhe, vorne – hinten, werden körperlich durch die Bewegungen der Kinder erfahren und mit Stimme und Körpersprache („Halt! Auf meine Matte nicht!“ und/oder „Ich möchte Dich gerne zu mir einladen“) als persönlicher Raum eingenommen.

Jedes Kind sucht sich eine farbige Arbeitsmappe für die zu sammelnden eigenen Materialien aus (Bilder, Texte, Karten, Fotos) und ein farbig dazu passendes Tuch, das in allen folgenden Stunden als persönliches Kennzeichen den eigenen Platz markiert.

Schon hier wird einer der wichtigsten Schwerpunkte unserer Arbeit deutlich. Wir bieten den Kindern viel Raum zur Körperwahrnehmung an. Sie lernen sich selbst zu spüren. Die eigenen Grenzen und Wirksamkeiten und die der anderen Kinder wahrzunehmen und zu respektieren stärkt Selbstvertrauen und Selbstverantwortung.

Im Bewegungsspiel erfahren wir sehr viel über die Kinder und kommen schnell an ihre Fähigkeiten und Ressourcen, an denen wir in den folgenden Gruppentreffen methodisch weiter arbeiten.

Beispiel zum Inhalt der ca. vierten Gruppenstunde

Kinder mit einem hohen Aggressionspotential oder starker Gehemmtheit, bzw. Rückzugsverhalten profitieren davon, wenn sie im „Spiel“ die Erlaubnis bekommen zu toben, treten, boxen, schlagen und schreien. Sie dürfen sich dabei als „richtig“ erleben und werden „angefeuert“, noch mehr „Kraft, Energie, Wut“ heraus zu lassen. In diesem “Parcours der Gefühle” erleben wir gerade bei diesen meist unverstandenen Kindern ein AHA-Erleben. Hier steigen sie mehr als die anderen Kinder sehr real in das Gefühl der Wut ein, fühlen sich gesehen, ernst genommen und spüren häufig zum ersten Mal nach einem solchen Ausagieren eine Erschöpfung, die als wohltuende Entspannung erlebt wird.

Das Spiel mit Farben, der Umgang mit dem eigenen Körperschema und Selbstbild, das Gestalten ihrer inneren Bilder mit Legematerialien, Interaktionsspiele, das Weitererzählen von Fantasie- und Trennungsgeschichten sind weitere wichtige methodische Elemente.

Mit der Sicherheit der Verschwiegenheit und dem sicheren Beziehungsangebot der Gruppenleiterinnen können die Kinder immer mehr aus der Anspannung des Loyalitätskonfliktes heraus treten. Das Miterleben der Geschichten, Wünsche und Sorgen der mit betroffenen Kinder in der Gruppe ermutigt sie, die eigenen schwierigen Themen zum Ausdruck zu bringen.

  • „Sie streiten ständig um mich, ich fühle mich total zerrissen, am besten ich gehe zu keinem von ihnen“. (Äußerung eines Kindes, nachdem es ein Selbstbild gemalt hat.)

  • „Ich will mehr über Mama wissen“ (Ein anderes Kind, nachdem es merkt, dass es beim Gestalten des Familienbildes einen Elternteil „vergessen“ hat.)

Wir besprechen mit den Kindern, welche Wünsche wir, die Gruppenleiterinnen, den Eltern im Abschlussgespräch mitteilen sollen und welche sie jetzt auch schon selbst mit ihnen klären können.

Den Kindern ist es wichtig zu wissen, dass ihre Eltern in der Zeit des Gruppenangebotes auch selbst an der Auseinandersetzung ihrer eigenen Trennungsgeschichte arbeiten. Sie fragen ihre Eltern „Gehst du zum Mütter/Väter Treffen?“, „Viele Grüße an ……!“ (gemeint ist die Gruppenleiterin). Von ihrer eigenen Arbeit in der Gruppe erzählen sie meist wenig. Die Eltern melden zurück, dass sie auf ihr Nachfragen kaum Antworten bekommen und merken, dass ihr Kind sich verändert. Die Kinder werden mutiger, deutlicher und präsenter im Umgang mit ihren Geschwistern, Lehrern, später auch gegenüber den Eltern. Das ist nicht immer angenehm, da Auseinandersetzungen und Streit auch zunehmen. Dies zu verstehen, auszuhalten und einen positiven Sinn darin zu sehen gelingt manchmal erst nach dem Austausch mit den anderen Müttern und Vätern.

Müttertreffen und Vätertreffen

Das Angebot ist freiwillig und wird von ca. 2/3 der Eltern angenommen. Die Treffen sind Gesprächskreise, die von den Teilnehmenden sehr schnell thematisch selbst gestaltet werden und dann von einer der Gruppenleiterinnen nur noch moderiert werden. Sie finden im 14 tägigen Abstand für ca. 2 Stunden statt und geben viel Raum für das eigene Erleben in der Beziehung zu ihren Kindern, dem Unterscheiden von Elternebene und noch unverarbeiteter Paarebene, der eigenen Wut, den Ängsten und Sorgen, Hochs und Tiefs der neuen Partnerschaften.

Genau wie in der Kindergruppe profitieren hier die Eltern von der Gruppe Gleichbetroffener, von ähnlichen und doch unterschiedlichen Geschichten und Umgangsformen.

Ein wichtiges Thema stellt jedesmal die Vorbereitung auf den Elternabend dar, der etwas nach der Mitte der Gruppenzeit statt findet und zu dem beide Elternteile schriftlich eingeladen werden. Das Wissen um das Zusammentreffen mit dem Ex-Partner und dass man mit Ihm/ihr noch die gemeinsamen Themen um das gemeinsame Kind hat, wird bei (noch) Hochstrittigkeit der Eltern auch ambivalent erlebt. Auch hier hilft die „eigene Gruppe“, zu stärken und zu ermutigen.

Elternabend

Wir Gruppenleiterinnen gestalten diesen Abend so, dass er ausschließlich Informationen über die inhaltliche Arbeit mit den Kindern bietet. Wir legen hier keinen Schwerpunkt auf Interaktion oder Austausch. Es wird auch nicht über einzelne Kinder gesprochen.

Die Eltern bekommen beispielhaft kleine Sequenzen aus unserer Arbeit vorgestellt, die ihre Kinder erfahren haben. Z.B. das Ankommen im fremden Raum, Demonstration des „Parcours der Gefühle“, Wertschätzung des eigenen Platzes anhand eines symbolischen Bildes, Vorstellung der Geschichte „Conni’s Eltern trennen sich“, usw. Unser Ziel ist es hier, die Eltern ins eigene Erleben zu führen und für das Erleben ihrer Kinder zu sensibilisieren.

Abschlussgespräch mit den Eltern

Gemeinsam oder getrennt finden am Ende der TSK-Gruppe Abschlussgespräche statt.

Wir fragen die Eltern nach den Auswirkungen der Gruppe auf die einzelnen Familienmitglieder und insbesondere auf das teilnehmende Kind. Was sich zu Hause verändert hat und ob ihre Wünsche für das Kind erreicht wurden.

Wir berichten über unsere Eindrücke und das, was wir über das Kind gelernt und was wir verstanden haben. Seine Stärken und Fähigkeiten, Bewältigungsstrategien und Selbstregulierungsmechanismen, über Autonomiewünsche, Empathiefähigkeit und über die grundsätzliche Akzeptanz von Kindern, sich auf neue Lebensmodelle positiv einzustellen.

Manchmal kommt es zu Empfehlungen für die Familie noch eine Zeit lang Beratungsunterstützung in Anspruch zu nehmen. Wir leiten dann das weitere Vorgehen in die Wege.

Fazit und Ausblick

Die Kinder profitieren sehr direkt von der TSK-Gruppe. Ihre Fähigkeit spontan mit Stimmungen und Handlungen auf Situationen zu reagieren und sie noch nicht kognitiv zu kontrollieren, führen im Verlauf der TSK-Gruppe schnell zum Wachstum von Ich-Stärke, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit. Dies gilt es nun auf Dauer in den Familienalltag zu integrieren und braucht die Unterstützung der Eltern und neuen Familien.

Für viele Eltern ist die Mitarbeit in der Trennungs-Scheidungs-Gruppe der erste Kontakt zu beratender Unterstützung. Sie erfahren, dass Kooperation und die Anteilnahme an jedem Familienmitglied entlastend wirkt und dass eingefahrene belastende Dynamiken auflösbar sind. Haben sie im Prozess ein Verstehen über ihr Kind und sich selbst wahrnehmen können, so ist Nachhaltigkeit und Intergation der positiven Veränderungen am besten möglich.

Elternteile mit neuen Partnern äußern manchmal deren Wunsch, für sie stände auch noch ein Platz in dem Prozess der Gruppenzeit zur Verfügung. Ich selbst halte dies als systemisch arbeitende Beraterin natürlich für sehr sinnvoll. Die neuen Partner haben eine wichtige Beziehungsfunktion für die Kinder und manchmal auch Anteil daran, wie die Eltern nach der Trennung/Scheidung in Kontakt miteinander sind . Eine Realisierung (Kosten- und Zeitaufwand) konnten wir bis auf wenige Einzelfallausnahmen bisher jedoch noch nicht umsetzen.


Zusammenfassung:
Sieben 8-10 jährige Kinder und zwei Gruppenleiterinnen feierten zusammen Abschied nach einer fast 4-monatigen gemeinsamen Gruppenzeit. Die Kids haben sich in dieser Zeit mit der Trennung/Scheidung ihrer Eltern intensiv auseinander gesetzt.

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Jun 02 2009

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E. Bohrisch

Tradition und Innovation | Lernende Systeme

Abgelegt unter Beratung, Coaching, Grundlagen

Wachsen und Überleben von Paaren, Familien und Betrieben hängt von ihrer Fähigkeit ab, sich auf Veränderungen in einer sich ständig wandelnden Umwelt einzustellen, zu lernen.
Darunter verstehe ich einerseits die Optimierung von Bewährtem, andererseits das Loslassen von nicht mehr sinnvollen Gewohnheiten und die experimentelle Suche nach Neuem.

Tradition und Innovation gehören zusammen.

Soziale Systeme können lernen, wenn sie ihr gemeinsames Wissen, ihre Erfahrung pflegen, Vertrauen und Fehlerfreundlichkeit hochhalten und Lust am Risiko wertschätzen.

  • Wissensmanagement
    Das individuelle und kollektive Wissen, der Erfahrungsschatz des Systems werden geachtet und gepflegt. Es herrscht eine Erinnerungs- und Erzähl-Kultur, „Womit hatten wir bisher gute Erfahrungen?“ „Wer von uns weiß wie es geht?“ Erfahrungen werden bewahrt, auch wenn ihr Nutzen nicht klar ist. „Wir wissen zwar nicht ob man das brauchen kann, heben es aber mal auf!“
  • Vertrauen und Fehlerfreundlichkeit
    Nur wenn in Systemen ein gutes Maß an gegenseitigem Vertrauen herrscht, sind Lernen, Optimierung und Innovation möglich. Irrtümer und Fehler dürfen nicht zum Ausschluss, zu Sanktionen führen. Belohnt werden hingegen Offenheit und die Bereitschaft, Verläufe und Aktionen zu hinterfragen und immer neu zu evaluieren. Grob fahrlässige und böswillige Fehler sind hier natürlich nicht gemeint! Der „dumme“, der fahrlässige Fehler sollte hingegen mit der Suche nach Fehlervermeidungsstrategien beantwortet werden.
  • Neugierde und Lust am Experiment, am Risiko
    sind der dritte Bereich, der mir wichtig ist. Eine Paarbeziehung ohne Überrraschungen, ohne Experimente stirbt. Ein Betrieb, der Herrausforderungen vermeidet, stirbt auch. Dazu gehört aber eine Haltung der Unangepasstheit, der Neugierde und des sich Wunderns. „Das ist mir zu kompliziert, ich versuch es mal anders!“ “Es muss doch auch anders gehen, versuchen wir’s mal!“ „ Ups, was hab ich denn da gemacht? Das geht ja, könnte ich wiederholen!“

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Mai 28 2009

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B. Rapp

Psychologische Beratung, Coaching oder Training? oder: Warum systemisch? zum Dritten

Frage einer Klientin bei unserem ersten Termin zum Kennenlernen:
„Ich weiß, ich muss etwas tun, aber was ist das Richtige für mich? Psychologische Beratung, Coaching oder Training?“,
  • Ich kann morgens schlecht aufstehen, fühle mich schwer, niedergeschlagen und müde. Mein Mann sagt sogar, ich bin depressiv“ – also eher eine psychologische Beratung?
  • In meiner Firma verliere ich mich im Tagesgeschäft, die Mitarbeiter sind unzuverlässig und faul. Für meine Kunden habe ich fast keine Zeit mehr“ – also eher ein Coaching für Führungskräfte?
  • Meine Kinder hören nicht, machen was sie wollen und bringen schlechte Schulleistungen nach Hause“ – also eher ein Elternkompetenztraining?

Ich bitte die Klientin, diese berechtigte Frage noch etwas zurück zu stellen und rege sie an, sich meine Arbeitsweise erst einmal anzuschauen und dann zu entscheiden, ob die „Chemie“ zwischen uns stimmt. Sie entscheidet nach dieser Sitzung in den Arbeitsprozess mit mir ein zu steigen. Aus den anfangs vereinbarten 10 Sitzungen sind 14 geworden, der gemeinsame Arbeitsprozess lief über 5 Monate. In den ersten 4 Wochen trafen wir uns wöchentlich, danach 14 tägig, später im Abstand von 3-4 Wochen.

Während ihres Beratungs-Prozesses laden wir zwischendurch auch Familienmitglieder in die Sitzungen ein. Zunächst ihren Ehemann, mit dem sie in drei „Kompakt-Paarsitzungen“ gemeinsam ihre Rollen als Partner, Eltern und Firmeninhaber beschreiben.

Dann Kinder und Partner zu zwei „Kompakt-Familiensitzungen“, in denen viel über Bedürfnisse, Wünsche, Zeit und Verantwortlichkeiten aller Beteiligten gesprochen und gearbeitet wird.

Virtuell bringen wir auch die Firma und die Kunden mit in den Beratungsraum und erarbeiten ein Organigramm und ein Leitbild.

Am Ende ihres Arbeitsprozesses verabreden wir, dass sie zukünftig ein- bis zweimal im Jahr zu einer Standortanalyse kommen wird.

Beim Rückblick und Abschiednehmen frage ich die Klientin, als was sie denn die Unterstützung nun wahrgenommen habe:

  • als psychologische Beratung,
  • Coaching
  • oder Training?

Hm, am liebsten würde ich keinen von den Begriffen benutzen. Ich erinnere mich oft an unsere erste Stunde und das Bild, in dem ich mich und meine Situation damals beschreiben sollte. Da habe ich mich als Wanderin gesehen, die unter der Last eines viel zu schweren Rucksacks kaum mehr den Kopf heben konnte und die sich mit ihren absolut letzten Reserven durstig und hungrig ziellos dahin schleppte. Sie haben mich quasi gestoppt, Anteil genommen an mir und meiner Situation und gezeigt, wie ich Gepäck sortieren, abladen und verteilen kann. Wie ich mich auch in unwegsamen und unübersichtlichen Gelände bewegen kann, ohne die Orientierung zu verlieren. Wie Seilschaften funktionieren, wann ich sichere oder gesichert werde. Und: sie haben die Bergführerin – Unternehmerin (lachend) in mir wieder stark gemacht, die gerne führt und ihr Ziel, zum nächsten Gipfel zu kommen wieder in den Blick genommen hat.“

Den eigenen Weg als Wanderung in unbekanntem Terrain zu verstehen und immer wieder auf eigene Fähigkeiten und Stärken zurück greifen zu können ist ein wunderbar „systemisches Bild“.

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Mai 15 2009

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E. Bohrisch

Peinlich genau oder mutig Fehler gemacht?

Abgelegt unter Beratung, Coaching, Grundlagen

„Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall.“ (Friedrich Dürrenmatt)

Mein Schülerleben stand unter der Drohung: „Mach ja keine Fehler!“

Heute weiß ich, dass Lernen ohne Fehler nicht möglich ist. Die Drohung meiner Jugend steckt mir aber immer noch in den Knochen

Im Jahr 1984 haben Christine und Ernst-Ulrich von Weizsäcker den Begriff der Fehlerfreundlichkeit  eingeführt. Fehlerfreundlichkeit gehört zu allen natürlichen Systemen.Weizsäckers haben sie als Weg zur Steigerung der Sicherheit technischer Systeme diskutiert. Inzwischen hat Fehlerfreundlichkeit auch in der psychosozialen Theoriebildung, in Beratung, Coaching und Organisationsentwicklung ihren Platz gefunden.

Der Satz: „Mach ja keine Fehler!“ gilt weiterhin, wenn ein Irrtum, ein Fehlgriff, eine Ungenauigkeit  schlimme Folgen hätte.

Fehlervermeidung und Fehlerfreundlichkeit haben beide ihren berechtigten Platz in Arbeitswelt und Privatleben. Im Gebrauch von Maschinen ist Fehlerfreundlichkeit willkommen, bei ihrer Fertigung gilt nur Fehlerfreiheit.

Familienfinanzen müssen fehlerfrei verwaltet werden, romantische Beziehungen hingegen phantasievoll, also fehlerfreundlich gepflegt werden, wenn sie nicht erstarren sollen.

Es geht also darum eine Fehlerkultur zu pflegen, in der sowohl Fehlervermeidung als auch Fehlerfreundlichkeit ihren Platz haben. Beide sind wichtig und müssen ihren Raum haben.

Nur wenn die Pflege des Bewährten und die Freiheit zum kreativen Experiment gleichberechtigt sind, können sich Systeme an veränderte Außenbedingungen konstruktiv anpassen. Dies gilt für Betriebe in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs. Es gilt ebenso für Paare, die nach dem Erwachsenwerden der Kinder sich wieder alleine begegnen müssen. Es gilt für Menschen, die sich von einem vollen Arbeitsalltag auf den „Ruhestand“ umstellen müssen.

Es gilt auch für Menschen, die von Insolvenz, Arbeitslosikeit und Krankheit betroffen sind.

Zusammenfassung:
Es gibt Lebens- und Arbeitsfelder, in denen keine Fehler vorkommen dürfen, z. B. am OP-Tisch. In anderen Bereichen unseres Lebens führt ängstliche Fehlervermeidung zu Stagnation und Scheitern.

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Mai 08 2009

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E. Bohrisch

Fehlerfreundlichkeit & Resilienz

Wie ist es möglich, dass manche Menschen mit nahezu jeder Situation, mit der sie im Leben konfrontiert werden, klarkommen? Wir denken, sie müssten unter den erzwungenen Änderungen leiden oder zerbrechen, aber weit gefehlt! Sie wirken wie ein Korken im reißenden Wasser. Sie werden umher geworfen, unter Wasser gezwungen, tauchen aber immer wieder auf und schwimmen scheinbar unbeschädigt weiter.

Diese Fähigkeit zu überleben und sich konstruktiv anzupassen teilen wir Menschen mit anderen Lebewesen, Tieren und Pflanzen mit lebenden Systemen. In der Wissenschaft wird diese Fähigkeit als Resilienz bezeichnet.

Ein System ist umso anpassungsfähiger je fehlerfreundlicher, je flexibler es ist. Ein Coalabär, der nur bestimmte Eukalyptusblätter frisst, hat  weniger zur Resilienz als eine Ratte. Je weniger wir festgelegt sind, je fehlerfreundlicher wir in unseren Erwartungen und Fähigkeiten, sind umso flexibler und gelassener können wir mit Hindernissen und Schicksalsschlägen umgehen.

Wenn man verschiedene Kulturen hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur Anpassung, ihrer Fehlerfreundlichkeit vergleicht, findet man große Unterschiede. Daran wird deutlich, dass Resilienz nicht vorgegeben ist, sondern erlernbar ist. Ich wünsche mir, dass dies in Bildungsplänen und im Schulalltag beachtet wirden. Die jetzige Bildungswirklichkeit zeichnet sich in der Regel durch einen sehr geringen Grad an Resilienz aus. Die Folge sind eine hohe Zahl an gescheiterten Menschen.

Im Beratungs- und Coachingprozess geht es um die Entwicklung von Fehlerfreundlichkeit und Resilienz. Der Umgang mit unerwartet neuen und Angst auslösenden Situationen, mit starren Erwartungen und geringem Selbstvertrauen wird trainiert. Die Verhaltensmöglichkeiten weden erweitert.

Zusammenfassung:

Im Beratungs- und Coachingprozess geht es um die Entwicklung von Fehlerfreundlichkeit und Resilienz. Der Umgang mit unerwartet neuen und Angst auslösenden Situationen, mit starren Erwartungen und geringem Selbstvertrauen wird trainiert. Die Verhaltensmöglichkeiten weden erweitert.

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Mrz 31 2009

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B. Rapp

Berater sind auch Menschen oder: warum auch Berater irren dürfen (?)

Fragen, die jeder professionell Arbeitende im „Beziehungsgeschäft“ sich stellen muss, wenn er von Klienten eingeladen wird, bei deren Klärungs-, oder Lösungssuche zu helfen sind vielleicht:

Als wer oder was möchte ich in der Rolle als BeraterIn wahrgenommen werden? Wie wirke ich auf  meine Klienten? Was bin ich bereit von mir zu zeigen? Wie lautet mein beraterisches Selbstverständis im Umgang mit Menschen, die in Not geraten sind und nach Unterstützung suchen?

Die allermeisten Klienten und Klientensysteme die um Beratung anfragen bewegen sich auf unsicherem Gelände. Die Bodenhaftung ist ihnen verloren gegangen, das Selbstwertgefühl instabil oder gar gering, ihre Fähigkeiten zur selbstständigen Problemlösung in dieser Zeit wenig abrufbar. Für sie ist es wichtig, auf einen Berater zu treffen, der diese Zeit als einen zeitlichen Ausnahmezustand versteht und dem Klienten unterstellt, dass dieser alle Fähigkeiten zur Selbstbestimmung und Selbstentwicklung in sich trägt.
Er hat nun dem Klienten einen Erlebens-Raum zur Verfügung zu stellen, in dem dieser sich wahr- und angenommen fühlen kann. Der Berater bietet Möglichkeiten an, die der Klient ausprobiert und überprüft, ob sie für ihn stimmig sind. All dies geschieht in einer raumgebenden Präsenz von Seiten des Beraters und einer lebendigen Interaktion, in der stets bei beiden, Berater und Klient ein gutes Gefühl für den gemeinsamen Prozess bestehen muss.

Auch in einer solchen Atmosphäre wird es zu Fehlern kommen, d.h. nicht alles, was der Berater anbietet, passt zum Klienten und dessen Prozess. Dies zu bemerken und dann  gemeinsam aufzudecken und zu klären kann manchmal einer der entscheidenden Momente sein, die den Entwicklungs- und Veränderungsprozess in der Beratungssituation voranbringt.

Ehrlichkeit, Bodenhaftigkeit, Humor, Geduld, Fehlerfreundlichkeit, Echtheit, Mitgefühl und das Wissen darum, das jeder Mensch immer seine Fähigkeiten und Ressourcen in sich trägt, sind Bedingungen um selbstständig und selbstbestimmt zu ureigenen Lösungen zu kommen.


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Mrz 29 2009

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E. Bohrisch

Disziplin, Liebe, Humanismus und die Erziehungs-Diskussion unserer Tage

Abgelegt unter Beratung, Kids & Teens

Die Propagandisten von Disziplin und Durchgreifen in der Erziehung unserer Kinder geben vor, auf Struktur zu setzen, was leicht als systemisch missverstanden werden kann. Es handelt sich aber ausschließlich um den Drill von Regeln, die von außen gesetzt werden. Unsere Vorstellung von Erziehung setzt im Gegensatz dazu auf liebevollen Umgang zwischen Erziehern und Kindern und auf den Aufbau eine guten Eltern-Kind-Beziehung. Die Analyse dieser liebevollen Beziehungen, und ihre Entwicklung und Pflege sind Gegenstand unserer Arbeit in Coaching und Beratung.

Disziplin-Fans wie Winterhoff und Bueb, deren Bücher auf herausragenden Plätzen von Bestsellerlisten stehen, zeigen in ihren Handlungsvorschlägen und in ihrer Sprache ein Menschenbild, das mich frieren lässt. Es scheint, als hätten sie nie von den Reforrmpädagoginnen und Reformpädagogen der vergangenen zwei Jahrhunderte gehört. Sie scheinen auch neueste Forschung der Neurowissenschaften zu den Bedingungen von Lernen und Wachstum nicht zu kennen. Die Einfachheit ihrer Thesen scheint aber attraktiv.

In der Analyse vor Erziehungs-Missständen in unserer Zeit stimme ich mit den beiden genannten Autoren durchaus überein. Die Entwicklung moderner Gesellschaft hat zu einer Verarmung an sozialen Beziehungen geführt. So sind auch Eltern auf sich allein zurückgeworfen Sie neigen dazu, sich an ihren Kindern festzuhalten anstatt ihnen Schutz und Sicherheit auf dem Weg in die Welt zu geben, in eine Welt, die von Kindern erst erobert werden muss.

Der Ratschlag mit Drill und Durchgreifen die Welt für Kinder verstehbar und handhabbar zu machen erscheint mir absurd.

Humanistisch und systemisch orientiert ist unsere Idee zur Unterstützung von Eltern,diese zu ermutigen und sie in ihrer Beziehung als Mutter und Vater sowie als Mann und Frau zu stärken.

Außerdem erarbeiten wir mit Eltern, wie sie ihre von Liebe geprägte Beziehung zu ihren Kindern zur ermutigenden und fehlerfreundlichen Unterstützung ihrer Kinder einsetzen können, wenn diese bei dem Versuch ,die Welt zu begreifen, mal wieder daneben gegriffen haben.

Ähnliche Vorstellungen vertritt auch Wolfgang Bergmann, so auch in seinem neuesten Buch „Warum unsere Kinder ein Glück sind“, das ich als Lektüre zum Thema sehr empfehle.

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