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Archiv für die Kategorie 'Gelesen & Gefunden'

Okt 24 2009

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E. Bohrisch

Sitzenbleiben nutzlos, teuer, schädlich.

Eine aktuelle Studie von Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung bestätigt, was schon lange gesichertes Wissen ist: Sitzenbleiben ist nutzlos und teuer, wahrscheinlich sogar schädlich. (siehe hierzu auch Zeit-Online vom 05.09.09)

Klassenwiederholungen führen weder bei den sitzengebliebenen Schülerinnen und Schülern zu einer Verbesserung ihrer kognitiven Entwicklung, noch profitieren die im ursprünglichen Klassenverband verbliebenen Schülerinnen und Schüler von diesem Instrument. Dies belegen alle verfügbaren und bei einer methodenkritischen Überprüfung belastbaren empirischen Studien. Klassenwiederholungen sind daher als unwirksame Maßnahme in den deutschen Schulsystemen anzusehen.“
Klaus Klemm, 2009, S.5

Klassenwiederholungen, sehen wir von dem Fall langer, schwerer Krankheit ab, führen, wenn man die folgenden Schuljahre in Betracht zieht, nicht zu einer Leistungssteigerung, sondern zu einem weiteren Leistungsverlust im Vergleich zum Durchschnitt. Das deutet darauf hin, dass Sitzenbleiben die Lernmotivation schädigt.

Ich fühle mich durch die Ergebnisse dieser Studie in meiner Erfahrung bestätigt. In meiner langen Praxis in der Beratungsarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen habe ich erlebt, wie unser Schulsystem Kinder, die nicht dem Durchschnitt entsprechen, entmutigt. Sitzenlassen und das durchschnittsorintierte Notensystem tragen wesentlich dazu bei.

Im Gegensatz zu den Ergebnissen der Studie vertreten etwa 2/3 der deutschen Bevölkerung die Meinung, dass die Klassenwiederholung sinnvoll sei und daher beibehalten werden sollte. Die sinnvolle Alternative zum Sitzenbleiben ist die individuelle Förderung innerhalb eines von der Leistung her gemischten Klassenverbandes.

Bildungspolitiker mehrerer Parteien wissen dies auch und machen entsprechende Vorstöße. (siehe hierzu die Süddeutsche vom 03.09.09)Ich wünsche ihnen, dass sie nicht von struktur-konservativen Parteimitgliedern ausgebremst werden.

Unseren Kindern wäre es zu wünschen.

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Sep 22 2009

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E. Bohrisch

Kinder brauchen keine Härte | Tanja Dückers | Zeit-Online 22.09.2009

In der heutigen Ausgabe von “Zeit Online” hat Tanja Dückers einen Kommentar zur öffentlichen Reaktion zu den letzten Ereignissen jugendlicher Gewalt veröffentlicht. Ich habe dazu  an gleicher Stelle den folgenden Kommentar eingesetzt:

Ihr Beitrag, Frau Dückers, hat mir gut gefallen, schreiben Sie doch gegen das Desinteresse der politischen Klasse am Wohlergehen von Kindern und gegen den Strom öffentlicher Zustimmung zu den Thesen der Disziplin-Propheten à la Bueb und Winterhoff an.

Der rituelle Ruf nach schärferen Gesetzen und Verstärkung der Überwachung des öffentlichen Raums dient der Beschwichtigung des Entsetzens über das Ausmaß an unkontrolliert aufbrechender Gewalt. Der darunter hörbare Hilfeschrei der jungen Menschen nach einer realistischen Perspektive, ein erfülltes Leben zu führen und um Anerkennung, wird totgeschwiegen. Eine angenehme Ausnahme bildet hier die Einbeziehung des Täters in den ökumenischen Gottesdienst nach dem Amoklauf in Ansbach.

Mit Ihnen, Frau Dückers, wünsche ich mir für junge Eltern die Möglichkeit, ihren Kindern mit Zeit, Zuwendung, Verständnis und sicher auch mit liebevoller Autorität zur begegnen.

In Ihrem Kommentar weisen Sie, “hermann.12” auf die verfehlte Bildungspolitik in unserem Land als eine der Ursachen des Problems hin. Hier stimme ich Ihnen aus vollem Herzen zu! Ihr Verständnis von Autorität erscheint mir jedoch verdächtig autoritär. Autorität, wie ich sie verstehe, hat es nicht nötig durchgesetzt zu werden, es sei denn, es handelt sich nur um Macht. Das Verteufelte an “Autorität”, die “übers Ziel hinausschießt”, ist, dass sie ein überzeugendes Vorbild für die Wirsamkeit von Gewalt ist.

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Sep 01 2009

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E. Bohrisch

Lob der Vernunftehe | Arnold Retzer | Buchbesprechung

Eine Streitschrift für mehr Realismus in der Ehe.
Der vom Autor gewählte Untertitel.

Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen. Es ist reich an Wissen und Erfahrung. Es ist  humorvoll geschrieben, selbstkritisch und zeugt von Liebe zu den Menschen, was die vielen „Geschichten“, die einen Sachverhalt verdeutlichen, belegen.

Retzer verwendet einen Vernunftbegriff, bei dem Vernunft vom Gefühl durchdrungen ist.

Die sorgfältigen Anmerkungen nennen Quellen und geben weitere Erläuterungen und werden durch ein umfangreiches Literaturverzeichnis ergänzt.

Erwartungen, Wünsche, Illusionen, Ideen, Stolpersteine wie sie am Beginn und im Verlauf von Ehen und anderen lang andauernden Zweierbeziehungen häufig vorkommen, werden in jeweils einem Kapitel plastisch dargestellt. Der Bezug zur eigenen Lebenssituation ist leicht herzustellen, ohne dass der Autor lehrhaft ist.

Besonders gefallen hat mir das letzte Kapitel. „Vernünftig Schluss machen“. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich in meiner eigenen Berufspraxis häufig damit konfrontiert bin. Arnold Retzer gibt auch hier ein klares anschauliches Bild der Gefühlslage von Paaren, deren Beziehung zerbricht.

Fragen der „Schuld“ und des Umgangs mit den betroffenen Kindern werden besprochen.Entschiedenheit von Trennungen und die Notwendigkeit der Trauer werden gewürdigt.

Als Beispiel für den Geist des Buches hier ein kurzes Zitat (S 49 f) :

Retzer wünscht sich, dass die Vernunftehe „..sich der Liebe nicht verschließt und … auf das, was die Liebesbeziehung bietet, nicht verzichtet: eine höchtpersönliche, exklusive, existentiell bedeutsame und dadurch auch sinnstiftende Beziehung. Die erfolgreiche Vernunftehe setzt vernünftigerweise auch auf die Liebe, alles andere wäre unvernünftig“.

Eine Liebeserklärung an die dauerhafte, emotional tiefe Beziehung von Paaren.

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Jul 16 2009

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B. Rapp

Trennungs-/Scheidungs Kindergruppe | Ein Bericht

Die Lebensberatungsstelle Bad Kreuznach hat mit der Unterstützung des Mehrgenerationenhauses, der Familienbildungsstätte und der Jugendämter Bad Kreuznach zum wiederholten male diese Gruppe mit großem Erfolg ausgerichtet.

Das Gruppenangebot der TSK-Gruppe richtet sich an Kinder und Eltern von Trennungsfamilien, sowie neue Partnerinnen und Partner. Bei 12 wöchentlichen Gruppentreffen, Vor- und Nachbereitung dauert das gesamte Projekt ca. 5-6 Monate. Das Angebot bietet Bewältigungsstrategien auf verschiedenen Ebenen der Familie an. Durchgeführt werden die Kurse von zwei systemischen Familientherapeutinnen.

Nach der Regelung der institutionellen Rahmenbedingungen, Kostenplan und Festlegung aller Termine für die TSK-Gruppe informieren wir Presse und Fachkollegen vor Ort.

Da die Gruppengröße auf 6-7 Kinder beschränkt ist, gibt es mehr Anfragen als wir annehmen können. Unsere letzte Gruppe bestand aus sieben 8-10 jährigen Mädchen und Jungen.

Das Anmeldeverfahren

Nachdem ein Elternteil Kontakt mit uns aufgenommen hat findet ein Aufnahmegespräch statt. Wir klären, ob beide Eltern gemeinsam kommen können, bei Hochstrittigkeit der Eltern laden wir getrennt ein und nehmen gegebenenfalls selbst den Kontakt zum anderen Elternteil auf. Es ist wichtig, dass die Kinder sicher sind, dass Vater und Mutter wissen und unterstützen, dass sie in diese TSK-Gruppe gehen. Wir möchten beide Eltern kennen lernen, etwas über ihre Beziehung zum Kind und ihre Sichtweisen zur Trennungsgeschichte erfahren.

Ablauf des ersten Elterngesprächs

Wir bitten die Eltern, erst aus ihrer eigenen Sicht und möglichst auch aus der Sicht ihres Kindes diese Krisenzeit in Bezug auf Belastungen, Veränderungen im Verhalten, Schule, soziale Kontakte, Freizeit und Freunde zu beschreiben. Wir möchten wissen, welche Wünsche das Kind wohl selbst haben könnte, bzw. sie als Eltern für ihr Kind haben und was am Ende der Gruppenzeit anders sein soll.

Wir geben den Eltern Informationen über den Ablauf der Gruppenstunden und die Gruppenthemen, den Elternabend und die regelmäßig durchgeführten Mütter- und Vätertreffen.

Nach erfolgreicher Anmeldung schicken wir den Kindern ca. eine Woche vor Gruppenbeginn einen Brief, indem wir uns vorstellen und sie zum ersten Gruppentreffen einladen.

Durchführung der Gruppenstunden für die Kinder

Es ist uns wichtig den Kindern mit einer äußeren Rahmung Sicherheit und Verlässlichkeit in der Zeit ihrer großen Orientierungslosigkeit zu bieten. Deshalb legen wir großen Wert darauf, die Struktur der Gruppenstunden stets nach einem ähnlichen Muster ablaufen zu lassen. Es gibt die Sequenzen Ankommen und Begrüßung im Flur, Ankommen im Gruppenraum auf dem eigenen Platz, Gruppenspiel, thematisches Arbeiten. Pause mit Getränken, Obst und Keksen, um die dort informelle Kontaktmöglichkeit der Kinder untereinander zu ermöglichen und Spiel oder Wahrnehmungsübungen, Verabschiedung.

Inhalte/Ziele der Gruppenzeit

  • Kennenlernen und in Kontakt gehen

  • Aus einer Familie werden zwei Familien, veränderte Wohn- und Lebensräume, neue Partner der Elternteile und deren Kinder, Anerkennung unterschiedlicher Lebensmodelle

  • Umgang mit und Ausdrucksmöglichkeiten von Gefühlen, sicherer Ort, Selbstregulierung

  • Realistische und unrealistische Wünsche, aussprechbare und unaussprechbare Wünsche im Zusammenhang ihrer derzeitigen Familiensituation

  • Wertschätzung, Ehrung, Würdigung jedes einzelnen Kindes (z.B. „Spielleiter“, „Krönungszeremonie“, „ich mag an dir“ – Karten) und Respekt gegenüber den anderen Kindern und GruppenleiterInnen

  • Perspektiverweiterung und Empathie

  • Planung und aktive Gestaltung des Abschieds von der Gruppe

Die oben genannten Themen bilden einen relativ lockeren roten Faden für den Ablauf der Gruppenzeit. Wir wissen um unsere Ziele, arbeiten prozessorientiert und lassen uns auf die Kinder ein. Wir reagieren situativ auf das, was sie uns aktuell an Verhalten zeigen und mitbringen.

Beispiel zum Inhalt der ersten Gruppenstunde

Nach der Begrüßung aller Kinder bereits im Flur betreten wir gemeinsam den vorbereiteten Gruppenraum. Er bietet genug Platz, dass wir mit Matten einen großen Stern legen können, so dass für jedes Kind ein „kleines Feld“ als eigener Raum auf dem Boden zur Verfügung steht. Dieser Platz ist groß genug zum Sitzen, Liegen, Alleine-sein oder jemanden zu sich einzuladen. Dieser eigene Raum wird in der ersten Stunde intensiv „erkundet“. Seine Grenzen und Begrenzungen, d.h. Länge, Breite, Höhe, vorne – hinten, werden körperlich durch die Bewegungen der Kinder erfahren und mit Stimme und Körpersprache („Halt! Auf meine Matte nicht!“ und/oder „Ich möchte Dich gerne zu mir einladen“) als persönlicher Raum eingenommen.

Jedes Kind sucht sich eine farbige Arbeitsmappe für die zu sammelnden eigenen Materialien aus (Bilder, Texte, Karten, Fotos) und ein farbig dazu passendes Tuch, das in allen folgenden Stunden als persönliches Kennzeichen den eigenen Platz markiert.

Schon hier wird einer der wichtigsten Schwerpunkte unserer Arbeit deutlich. Wir bieten den Kindern viel Raum zur Körperwahrnehmung an. Sie lernen sich selbst zu spüren. Die eigenen Grenzen und Wirksamkeiten und die der anderen Kinder wahrzunehmen und zu respektieren stärkt Selbstvertrauen und Selbstverantwortung.

Im Bewegungsspiel erfahren wir sehr viel über die Kinder und kommen schnell an ihre Fähigkeiten und Ressourcen, an denen wir in den folgenden Gruppentreffen methodisch weiter arbeiten.

Beispiel zum Inhalt der ca. vierten Gruppenstunde

Kinder mit einem hohen Aggressionspotential oder starker Gehemmtheit, bzw. Rückzugsverhalten profitieren davon, wenn sie im „Spiel“ die Erlaubnis bekommen zu toben, treten, boxen, schlagen und schreien. Sie dürfen sich dabei als „richtig“ erleben und werden „angefeuert“, noch mehr „Kraft, Energie, Wut“ heraus zu lassen. In diesem “Parcours der Gefühle” erleben wir gerade bei diesen meist unverstandenen Kindern ein AHA-Erleben. Hier steigen sie mehr als die anderen Kinder sehr real in das Gefühl der Wut ein, fühlen sich gesehen, ernst genommen und spüren häufig zum ersten Mal nach einem solchen Ausagieren eine Erschöpfung, die als wohltuende Entspannung erlebt wird.

Das Spiel mit Farben, der Umgang mit dem eigenen Körperschema und Selbstbild, das Gestalten ihrer inneren Bilder mit Legematerialien, Interaktionsspiele, das Weitererzählen von Fantasie- und Trennungsgeschichten sind weitere wichtige methodische Elemente.

Mit der Sicherheit der Verschwiegenheit und dem sicheren Beziehungsangebot der Gruppenleiterinnen können die Kinder immer mehr aus der Anspannung des Loyalitätskonfliktes heraus treten. Das Miterleben der Geschichten, Wünsche und Sorgen der mit betroffenen Kinder in der Gruppe ermutigt sie, die eigenen schwierigen Themen zum Ausdruck zu bringen.

  • „Sie streiten ständig um mich, ich fühle mich total zerrissen, am besten ich gehe zu keinem von ihnen“. (Äußerung eines Kindes, nachdem es ein Selbstbild gemalt hat.)

  • „Ich will mehr über Mama wissen“ (Ein anderes Kind, nachdem es merkt, dass es beim Gestalten des Familienbildes einen Elternteil „vergessen“ hat.)

Wir besprechen mit den Kindern, welche Wünsche wir, die Gruppenleiterinnen, den Eltern im Abschlussgespräch mitteilen sollen und welche sie jetzt auch schon selbst mit ihnen klären können.

Den Kindern ist es wichtig zu wissen, dass ihre Eltern in der Zeit des Gruppenangebotes auch selbst an der Auseinandersetzung ihrer eigenen Trennungsgeschichte arbeiten. Sie fragen ihre Eltern „Gehst du zum Mütter/Väter Treffen?“, „Viele Grüße an ……!“ (gemeint ist die Gruppenleiterin). Von ihrer eigenen Arbeit in der Gruppe erzählen sie meist wenig. Die Eltern melden zurück, dass sie auf ihr Nachfragen kaum Antworten bekommen und merken, dass ihr Kind sich verändert. Die Kinder werden mutiger, deutlicher und präsenter im Umgang mit ihren Geschwistern, Lehrern, später auch gegenüber den Eltern. Das ist nicht immer angenehm, da Auseinandersetzungen und Streit auch zunehmen. Dies zu verstehen, auszuhalten und einen positiven Sinn darin zu sehen gelingt manchmal erst nach dem Austausch mit den anderen Müttern und Vätern.

Müttertreffen und Vätertreffen

Das Angebot ist freiwillig und wird von ca. 2/3 der Eltern angenommen. Die Treffen sind Gesprächskreise, die von den Teilnehmenden sehr schnell thematisch selbst gestaltet werden und dann von einer der Gruppenleiterinnen nur noch moderiert werden. Sie finden im 14 tägigen Abstand für ca. 2 Stunden statt und geben viel Raum für das eigene Erleben in der Beziehung zu ihren Kindern, dem Unterscheiden von Elternebene und noch unverarbeiteter Paarebene, der eigenen Wut, den Ängsten und Sorgen, Hochs und Tiefs der neuen Partnerschaften.

Genau wie in der Kindergruppe profitieren hier die Eltern von der Gruppe Gleichbetroffener, von ähnlichen und doch unterschiedlichen Geschichten und Umgangsformen.

Ein wichtiges Thema stellt jedesmal die Vorbereitung auf den Elternabend dar, der etwas nach der Mitte der Gruppenzeit statt findet und zu dem beide Elternteile schriftlich eingeladen werden. Das Wissen um das Zusammentreffen mit dem Ex-Partner und dass man mit Ihm/ihr noch die gemeinsamen Themen um das gemeinsame Kind hat, wird bei (noch) Hochstrittigkeit der Eltern auch ambivalent erlebt. Auch hier hilft die „eigene Gruppe“, zu stärken und zu ermutigen.

Elternabend

Wir Gruppenleiterinnen gestalten diesen Abend so, dass er ausschließlich Informationen über die inhaltliche Arbeit mit den Kindern bietet. Wir legen hier keinen Schwerpunkt auf Interaktion oder Austausch. Es wird auch nicht über einzelne Kinder gesprochen.

Die Eltern bekommen beispielhaft kleine Sequenzen aus unserer Arbeit vorgestellt, die ihre Kinder erfahren haben. Z.B. das Ankommen im fremden Raum, Demonstration des „Parcours der Gefühle“, Wertschätzung des eigenen Platzes anhand eines symbolischen Bildes, Vorstellung der Geschichte „Conni’s Eltern trennen sich“, usw. Unser Ziel ist es hier, die Eltern ins eigene Erleben zu führen und für das Erleben ihrer Kinder zu sensibilisieren.

Abschlussgespräch mit den Eltern

Gemeinsam oder getrennt finden am Ende der TSK-Gruppe Abschlussgespräche statt.

Wir fragen die Eltern nach den Auswirkungen der Gruppe auf die einzelnen Familienmitglieder und insbesondere auf das teilnehmende Kind. Was sich zu Hause verändert hat und ob ihre Wünsche für das Kind erreicht wurden.

Wir berichten über unsere Eindrücke und das, was wir über das Kind gelernt und was wir verstanden haben. Seine Stärken und Fähigkeiten, Bewältigungsstrategien und Selbstregulierungsmechanismen, über Autonomiewünsche, Empathiefähigkeit und über die grundsätzliche Akzeptanz von Kindern, sich auf neue Lebensmodelle positiv einzustellen.

Manchmal kommt es zu Empfehlungen für die Familie noch eine Zeit lang Beratungsunterstützung in Anspruch zu nehmen. Wir leiten dann das weitere Vorgehen in die Wege.

Fazit und Ausblick

Die Kinder profitieren sehr direkt von der TSK-Gruppe. Ihre Fähigkeit spontan mit Stimmungen und Handlungen auf Situationen zu reagieren und sie noch nicht kognitiv zu kontrollieren, führen im Verlauf der TSK-Gruppe schnell zum Wachstum von Ich-Stärke, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit. Dies gilt es nun auf Dauer in den Familienalltag zu integrieren und braucht die Unterstützung der Eltern und neuen Familien.

Für viele Eltern ist die Mitarbeit in der Trennungs-Scheidungs-Gruppe der erste Kontakt zu beratender Unterstützung. Sie erfahren, dass Kooperation und die Anteilnahme an jedem Familienmitglied entlastend wirkt und dass eingefahrene belastende Dynamiken auflösbar sind. Haben sie im Prozess ein Verstehen über ihr Kind und sich selbst wahrnehmen können, so ist Nachhaltigkeit und Intergation der positiven Veränderungen am besten möglich.

Elternteile mit neuen Partnern äußern manchmal deren Wunsch, für sie stände auch noch ein Platz in dem Prozess der Gruppenzeit zur Verfügung. Ich selbst halte dies als systemisch arbeitende Beraterin natürlich für sehr sinnvoll. Die neuen Partner haben eine wichtige Beziehungsfunktion für die Kinder und manchmal auch Anteil daran, wie die Eltern nach der Trennung/Scheidung in Kontakt miteinander sind . Eine Realisierung (Kosten- und Zeitaufwand) konnten wir bis auf wenige Einzelfallausnahmen bisher jedoch noch nicht umsetzen.


Zusammenfassung:
Sieben 8-10 jährige Kinder und zwei Gruppenleiterinnen feierten zusammen Abschied nach einer fast 4-monatigen gemeinsamen Gruppenzeit. Die Kids haben sich in dieser Zeit mit der Trennung/Scheidung ihrer Eltern intensiv auseinander gesetzt.

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Mrz 25 2009

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E. Bohrisch

Warum unsere Kinder ein Glück sind | Buchbesprechung

In seinem neuesten Buch setzt sich Wolfgang Bergmann mit den z. Zt. sehr populären Erziehungs-Ideen von Winterhoff, Bueb und anderen auseinander.

Mit seinem pädagogischen Weltbild steht er in der Tradition aller Reformpädagogen der vergangenen zwei Jahrhunderte. Sein Erziehungs-Ideal entspricht auch unserem von den abrahamitischen Religionen und der Aufklärung geprägten humanistischen Menschenbild. Er hat auch die Ergebnisse neuer Forschung wie die der Neurowissenschaften, die das humanistische Menschenbild und die Ideen er Reformpädagogen  stützen,  verarbeitet.

So setzt er sich in erfreulicher Klarheit von  Ideen ab, die von Disziplin bestimmt sind. Er setzt dem Drill à la Winterhoff und Bueb die Überzeugung entgegen, dass Erziehung gelingt, wenn Eltern und Erzieher in Liebe mit Kindern umgehen. In vielen Beispielen zeigt er, wie das Bemühen um gute, liebevolle Beziehungen Kindern und Erwachsenen eine konstruktive, sozial kompetente Entwicklung ermöglicht. Er ermuntert Eltern mit Phantasie und Liebe zu reagieren, wenn es nötig ist, Kindern auf den „richtigen“ Weg zu helfen.

Im ersten Teil setzt er sich konkret mit Winterhoffs Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ auseinander. Der zweite Teil beschreibt die gesamtgesellschaftlichen Hintergründe heutiger Erziehungsprobleme. Der dritte Teil , den ich mit besonderem Genuss gelesen habe, beschreibt eine Fülle konkreter Standardsituationen und mögliche kreative Lösungswege. Bergmann betont dabei zu Recht, dass die Beispiele keine Rezepte sind. Er will vielmehr zu Lust an Erziehung und zu liebevoller Phantasie ermuntern.

Ich empfehle dieses Buch allen Interessierten. Es ist sehr lesbar, kommt ohne Fach-Jargon aus und ist außerordentlich sympathisch.

Wolfgang Bergmann
Warum unsere Kinder ein Glück sind
So gelingt Erziehung heute
Beltz 2009

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Jan 06 2009

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E. Bohrisch

Ökologie der Person | Felix Tretter

Abgelegt unter Gelesen & Gefunden, Grundlagen

Sehr kenntnisreiche Zusammenfassung des aktuellen Forschungs- und Diskussionsstandes.
Anregend ist die umfassende Einbettung der Person in die durch soziale, geschichtliche, wirtschaftliche, geographische und andere Beziehungen konstituierte Umwelt.
Dabei hat der Autor als Weiterführung der Modelle seiner früheren Veröffentlichungen ein System-Modell vor Augen, das sowohl das System Umwelt in großer Breite in den Blick nimmt als auch in der Vertikalen Subsysteme berücksichtigt. Für die Person heißt das, dass in der Horizontalen Nachbarsysteme wie Partner, Familie etc. und Lebensweltsysteme wie Wirtschaft, Geschichte etc. zu beachten sind und in der Vertikalen Systemhierarchien wie Gedächtnis, Gehirn, Neurone, Moleküle etc. zu beachten sind.
Ich finde das Modell sehr anschaulich, dem Stand der wissenschaftlichen Diskussion entsprechend, und für die praktische therapeutische-beraterische Arbeit mit Einzel Personen, Paaren und Familien hilfreich.
Seine dichte Fachsprache und die häufige Benutzung mathematischer Argumentation machen das Buch als Einführung nur bedingt geeignet. Wegen des sorgfältigen Überblicks über die Modellbildung im Bereich der Systemwissenschaften ist es dennoch auch für den interessierten Laien zu empfehlen.

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Jan 01 2009

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E. Bohrisch

Sie fragen wir antworten!

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu Themen unserer Arbeitsbereiche haben,

wäre es toll, wenn Sie sie hier einbringen würden.

Das können Fragen zu

  • Erziehung, Partnerschaft, Familienkonflikten, Lebenskrisen sein,

oder auch solche die sich auf

  • Ausbildung, Beruf, Arbeit und Probleme am Arbeitsplatz beziehen.

Wenn Sie Ihre Frage oder Ihre Anregung als “Kommentar” einbringen,

werden wir hier im Blog darauf eingehen.

Wir stellen Ihre Fragen oder Anregung und unsere Antworten als neuen Beitrag

zur Diskussion, oder antworten Ihnen  per E-Mail.

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Aug 24 2008

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B. Rapp

Computersüchtig | Bergmann | Hüther

Kinder im Sog der modernen Medien

„Am eigenen Leibe“ muss ich häufig feststellen, dass es Bereiche gibt, in denen mich Kids und Jugendlichen heute „abhängen“. Bezogen auf sportliche Fitness, ehemalige Schulleistungen und der Auseinandersetzung in zwischenmenschlichen Beziehungen (z.B. denen der Pubertät) kann ich mich großzügig und „wissend“ zurück lehnen. Da habe ich meine eigenen Erfahrungen gemacht, kann mich mitteilen, austauschen und nachempfinden. Es gibt jedoch einen Bereich, da kann ich nichts mehr erzählen, da fühle ich mich komplett „draußen“. Und das macht mich unruhig und hilflos, da suche ich nach Informationen, beobachte mit Argusaugen eine Faszination die mir fremd ist, reagiere überempfindlich, genervt, setze Grenzen ohne Überzeugung und Nachvollziehbarkeit. 

Jetzt habe ich dieses Buch des Erziehungswissenschaftlers Wolfgang Bergmann und des Neurobiologen Gerald Hüther gelesen, die sehr kompakt meine Fragen und Bedenken beantwortet und Verstehbarkeit hergestellt haben.
Die Zusammenhänge aus Entwickungspychologie und biologischer Hirnentwicklung und die gesellschaftlichen und generationalen Veränderungen von Wertethemen sind hier sehr anschaulich beschrieben. 
Beruhigung, Schärfung der Aufmerksamkeit und das Gefühl, wieder ein Stück weit in der Aktualität der Zeit- und Entwicklungsgeschehnisse zu sein, hat sich eingestellt.

Gut hätte ich gefunden, wenn der Titel des Buches mit einem Fragezeichen (Computersüchtig?) versehen worden wäre. Es gibt Antworten auf den aktuellen Stand in der eigenen Familie zum Thema Umgang mit Medien und Anregungen und Unterstützung, wenn Kinder und Jugendliche den Weg in die Abhängigkeit bereits betreten haben.

Ich halte dieses Buch für sehr empfehlenswert.

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Jul 25 2008

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B. Rapp

Nein aus Liebe | Jesper Juul

Klare Eltern – starke Kinder

ist der Untertitel dieses kleinen Büchleins, dass nicht nur wegen seines Formates und der ansprechenden Illustration auf dem Bucheinband als Lektüre sehr zu empfehlen ist.

Jesper Juul, Familientherapeut, Konfliktberater, Lehrer und Autor schreibt dieses Buch auf seinem sehr großen Erfahrungshintergrund in der Arbeit mit Familien und zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist gespickt mit Beispielen und anregenden Handlungsalternativen und sein fehlerfreundliches Menschenbild regt an und erlaubt, in die wechselnden Perspektiven – die der Eltern und die der Kinder – einzutauchen. Das Ziel seiner Arbeit „die Eltern bei der Suche nach neuen Wegen in der Erziehung zu unterstützen und nicht, sie in ihrem Versagen zu bestätigen“ hat er m.E. voll erreicht.

Das Buch durchstreift alle Entwicklungsphasen vom Säugling bis zum jungen Erwachsenen und lässt auch nicht den Blick auf die Paarbeziehung innerhalb der Elternschaft aus. Den Tenor des Buches, auf die eigene Authentizität zu achten, sie evtl. nachzuentwickeln und damit den Kindern die Möglichkeit zu geben ihre eigene Persönlichkeit zu leben, hält Juul konsequent aufrecht.

Wenn Sie sich angesprochen fühlen sollten von den folgenden kurzen thematischen Einblicken, dann möchte ich Ihnen dieses Buch wärmstens empfehlen. 

Die Untrennbarkeit eines gesprochenen Wortes von der Körpersprache und Sprachmelodie. 
Das Reden auf Augenhöhe und die Qualität einer Diskussion. 
Das Reden über sich selbst – damit es nicht zum überschreiten der persönlichen Grenze und der Verletzung der Würde des anderen kommt. 
Eltern als Sparringspartner für unsere Jugendlichen, d.h. mit maximalen Widerstand und geringstmöglichen Schaden präsent bleiben. 
Unseren Kindern vertrauen, auch wenn unsere Ideologie nicht mehr die der Jugendlichen ist.
Die Sprache der Liebe ist weder positiv noch negativ. Sie ist persönlich.

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Jul 01 2008

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E. Bohrisch

Natalität-Philosophie der Geburt | Ludger Lütkehaus

Lütkehaus entwickelt hier, vornehmlich in der Auseinandersetzung mit Hanna Ahrendt seine Philosophie der Gebürtlichkeit.
In Abgrenzung zur christlich-abendländischen Tradition, den Menschen auf den Tod hin zu verstehen und das Leben als Geschenk des Schöpfers oder der Erzeuger, für das man dankbar sein muss, zu beschreiben, spricht er vielmehr von der Geburt als dem „unerbetenen Geschenk“.
Die Konsequenz aus diesem Wechsel der Perspektive, die mich in meiner Arbeit mit Familien 
am stärksten interessiert, ist der Wechsel vom Elternrecht, das sich von Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens herleitet, zum Kinderrecht, das Schöpfer und Erzeuger verantwortlich für das Leben und das Wohlergehen der ungefragt Geborenen macht.
Versuche, in der Familiengesetzgebung das traditionelle Elternrecht konsequent durch Kindesrecht zu ersetzen, sind bisher nicht wirklich erfolgreich gewesen. 
Ich wünsche mir, dass unser Familienrecht in Richtung Kinderrecht weiterentwickelt wird.
Das Buch ist sehr anregend. Es lädt zur Auseinandersetzung mit der eigenen Einstellung zu Geburt und Tod, zu Schöpfern, Eltern, und den eigenen Kindern ein. Auch für philosophische Laien ist es gut verständlich geschrieben. Sehr zu empfehlen.

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