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Archiv für das Tag 'Familie'

Feb 28 2010

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E. Bohrisch

Scheidung oder Paarberatung?

Irgendwann entscheiden viele Paare, dass sie auf Dauer zusammenleben wollen. Sie planen eine gemeinsame Zukunft, sie denken über Kindern nach, eventuell bauen sie gemeinsam ein Haus. Wie beim Aufbruch zu einer Urlaubsreise ist das Paar in Hochstimmung, voller Optimismus für die gemeinsame Zukunft. Manche heiraten, manche entschließen sich, ohne diese Rechtsform den Rest ihres Lebens zusammenzubleiben.

Nach den ersten 2-3 Jahren kehrt der Alltag unübersehbar zurück. Gewohnheiten und Eigenarten des Partners, der Partnerin, die im Zustand des Verliebtseins übersehen wurden, beginnen zu ärgern und zu nerven. Das Paar versucht sich wechselseitig zu erziehen. Das ist jedoch immer vergeblich. Welcher erwachsene Mensch will sich schon umerziehen lassen, der andere wird vielmehr als kleinlich, spießbürgerlich oder gar gemein erlebt. Verschärft wird das Ganze durch steigenden Stress im Alltagsleben, durch Karrieren, Schwangerschaften und Geburt eines Kindes. Gelingt es jetzt nicht, in einen fruchtbaren Austausch zu gelangen, kommt es zu einer bedrohlichen Krise.

Die Partner denken darüber nach sich trennen. Der Versuch, gemeinsam einen Neubeginn zu versuchen, sich auf das zurück zu besinnen was zum Verliebtsein geführt hat, was die Partner aneinander anziehend und liebenswert fanden, wird nicht unternommen. Da man sich gegenseitig als rücksichtslos und lernresistent erlebt hat, scheint die Trennung eine schnellere Lösung zu bieten. Sie ist jedoch mit großen Schmerzen, mit Streit und meist auch mit erheblichen finanziellen Kosten verbunden.

Die Alternative ist, dass das Paar sich miteinander auf den Weg macht und gemeinsam einen Neuanfang wagt. Sicher ist der Erfolg auch hier nicht ohne Kosten an Zeit, Schmerzen und Enttäuschungen zu erreichen. Das gilt übrigens für jedes Lernen. Der Gewinn liegt jedoch neben der Chance auf eine gemeinsame erfüllte Zukunft in einem Mehr an Lebenserfahrung und persönlicher Reife. Viele Paare bewältigen diesen gemeinsamen Lernprozess, indem jeder seine eigenen Fehler selbst ändern muss, ohne fremde Hilfe. Häufig ist jedoch fachliche Hilfe durch Beraterinnen und Berater angezeigt. In ihrer Begleitung ist der Lernprozess des Paares meistens kürzer und auch erfolgreicher.

Paarberatung und Eheberatung findet man in öffentlichen Beratungsstellen und in Praxen wie der unseren.

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Sep 22 2009

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E. Bohrisch

Kinder brauchen keine Härte | Tanja Dückers | Zeit-Online 22.09.2009

In der heutigen Ausgabe von “Zeit Online” hat Tanja Dückers einen Kommentar zur öffentlichen Reaktion zu den letzten Ereignissen jugendlicher Gewalt veröffentlicht. Ich habe dazu  an gleicher Stelle den folgenden Kommentar eingesetzt:

Ihr Beitrag, Frau Dückers, hat mir gut gefallen, schreiben Sie doch gegen das Desinteresse der politischen Klasse am Wohlergehen von Kindern und gegen den Strom öffentlicher Zustimmung zu den Thesen der Disziplin-Propheten à la Bueb und Winterhoff an.

Der rituelle Ruf nach schärferen Gesetzen und Verstärkung der Überwachung des öffentlichen Raums dient der Beschwichtigung des Entsetzens über das Ausmaß an unkontrolliert aufbrechender Gewalt. Der darunter hörbare Hilfeschrei der jungen Menschen nach einer realistischen Perspektive, ein erfülltes Leben zu führen und um Anerkennung, wird totgeschwiegen. Eine angenehme Ausnahme bildet hier die Einbeziehung des Täters in den ökumenischen Gottesdienst nach dem Amoklauf in Ansbach.

Mit Ihnen, Frau Dückers, wünsche ich mir für junge Eltern die Möglichkeit, ihren Kindern mit Zeit, Zuwendung, Verständnis und sicher auch mit liebevoller Autorität zur begegnen.

In Ihrem Kommentar weisen Sie, “hermann.12” auf die verfehlte Bildungspolitik in unserem Land als eine der Ursachen des Problems hin. Hier stimme ich Ihnen aus vollem Herzen zu! Ihr Verständnis von Autorität erscheint mir jedoch verdächtig autoritär. Autorität, wie ich sie verstehe, hat es nicht nötig durchgesetzt zu werden, es sei denn, es handelt sich nur um Macht. Das Verteufelte an “Autorität”, die “übers Ziel hinausschießt”, ist, dass sie ein überzeugendes Vorbild für die Wirsamkeit von Gewalt ist.

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Jun 29 2008

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B. Rapp

Warum unsere Kinder Tyrannen werden | Michael Winterhoff

Ein Buch, das seit einiger Zeit auf den Bestsellerlisten zu finden ist. Ein Buch, das sich nicht als Erziehungsberater versteht und aufzeigen möchte, wie die Wirklichkeit im Erziehungsalltag nun denn wirklich aussieht.

Der Autor, Kinder- und Jugendpsychiater, sowie Psychotherapeut klagt an. Die Eltern, die Alleinerziehenden, die Großeltern, die Erzieherinnen, die Grundschullehrerinnen und die Kinder.
Polarisierungen in dürftig dargestellten Fallbeispielen und in einer Sprache, die gespickt ist mit Begriffen wie “immer”, “grundsätzlich”, “absolut”, “stets”, “eindeutig”, usw.
Wer diese Buch tatsächlich ernst nimmt muß als Elternteil oder auch Großelternteil in Schuldgefühlen versinken angesichts der Behauptungen, sie würden ihre Kinder und Enkel als Projektionsfläche eigener Bedürfnisbefriedigung benutzen.
Pauschalurteile gegenüber Berufsgruppen, die hoch engagiert und kompetent ihre differenzierte Arbeit für wenig Gehalt und ohne Anerkennung leisten und sich zudem noch der Respektlosigkeit von Besserwissern stellen müssen. 

Mir fällt es sehr schwer, seinen Thesen zu folgen, da m.E. so viel fehlt, was das Leben miteinander ausmacht. Beziehungsfähigkeit ist nicht mit Gehorsam herstellbar, gegenseitiger Respekt nicht mit der Abwertung von Anderen. Verunsicherte Eltern werden nicht sicherer gemacht und unterstützt, indem mit einem Finger in einer (manchmal auch nur vermeintlichen) Wunde gebohrt wird.

Aus meiner Neugier, dieses Buch zu lesen, wurde sehr schnell viel Mühe es nicht einfach wieder aus der Hand zu legen. Ich wünsche mir, dass dieses Buch alsbald die Ranglisten wieder verlassen möge

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Jun 22 2008

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B. Rapp

Kalte Heimat | Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945 von Andreas Kossert

Ich wünschte mir, dass neben vielen Anderen auch Iliya Trojanow, der den Titel seines Artikels: “Podolski braucht mehr Freunde” in der ZEIT (Rubrik Meinungen) vom 12.06.08 benutzt, dass neu erschienene Buch von Andreas Kossert “Kalte Heimat” lesen möge. Trojanow hat absolut Recht, wenn er meint, dass sich die Menschen in Deutschland seit dem Ende des 2.Weltkrieges in einem unveränderten Zustand befinden und davon spricht, dass Deutschland heute noch immer die Imigrationspolitik als Katastrophenschutz betreibe. Er meint heute u.a. auch die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und nennt gleichzeitig als gelungenes Beispiel und Ausnahme- im aktuellen Bezug zur Fußball-EM – die bekannten und berühmten Fußballer (“polnischer Herkunft”) Klose, Podolski und Ballack. Kossert recherchiert in seinem Buch besser und zeigt auf, dass aber genau diese genannten Männer deutscher Abstammung sind. Ihre Vorfahren sind allesamt Schlesier! Gemeinsam ist beiden Autoren, wenn sie sagen, dass die Angst der Deutschen vor Überfremdung wirkliche Integration noch immer behindert – heute genauso wie in den letzten 6 Jahrzehnten.

Andreas Kossert hat ein Buch verfasst, das mehr ist als eine weitere Dokumentation über ein Thema, von dem viele Menschen entweder nichts wissen wollen, es abgespalten haben oder noch immer nicht in ihrer Geschichte zulassen möchten. 

Er gibt eine gut recherchierte Übersicht über die Nachkriegszeit ab 1945, bezogen auf die Integrationsversuche von 14 Millionen vertriebenen und geflohenen Menschen aus dem Osten. Herkunft und Weg dieser Menschen in den Westen, ihre Ankunft, Aufteilung und Unterbringung, die Traumatisierungen, Missverständnisse und Vorurteile (“wieso können die so gut Deutsch?”). Das Wirtschaftswunder im Westen und die verschwiegenen 4 Millionen Vetriebenen in der damals sowjetisch besetzten Zone und der DDR. Politik und Vertriebenenverbände, der Wandel der Kirchen, das kulturelle Erbe, Flucht, Vertreibung und Vertriebene in der Literatur und den Medien. Der “Revanchismus der Ewiggestrigen” in der Gegenüberstellung der Integrationserfolge.
Und immer wieder: Das große Tabu bei “Einheimischen und Vertriebenen” über das Erleben und die psychischen Folgen über die Generationen hinweg zu kommunizieren.

Der Anhang des Buches ist allein über 70 Seiten lang. Kossert gibt detailliert Quellen-, Bildnachweise und Personenregister an.

Dieses Buch war für mich eine wahre Fundgrube. Es beantwortet mir viele der Fragen, die ich den bereits verstorbenen Zeitzeugen meiner Familie nie gestellt habe – oder nicht stellen durfte?

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