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Archiv für das Tag 'Geschichte'

Jun 22 2008

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B. Rapp

Kalte Heimat | Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945 von Andreas Kossert

Ich wünschte mir, dass neben vielen Anderen auch Iliya Trojanow, der den Titel seines Artikels: “Podolski braucht mehr Freunde” in der ZEIT (Rubrik Meinungen) vom 12.06.08 benutzt, dass neu erschienene Buch von Andreas Kossert “Kalte Heimat” lesen möge. Trojanow hat absolut Recht, wenn er meint, dass sich die Menschen in Deutschland seit dem Ende des 2.Weltkrieges in einem unveränderten Zustand befinden und davon spricht, dass Deutschland heute noch immer die Imigrationspolitik als Katastrophenschutz betreibe. Er meint heute u.a. auch die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und nennt gleichzeitig als gelungenes Beispiel und Ausnahme- im aktuellen Bezug zur Fußball-EM – die bekannten und berühmten Fußballer (“polnischer Herkunft”) Klose, Podolski und Ballack. Kossert recherchiert in seinem Buch besser und zeigt auf, dass aber genau diese genannten Männer deutscher Abstammung sind. Ihre Vorfahren sind allesamt Schlesier! Gemeinsam ist beiden Autoren, wenn sie sagen, dass die Angst der Deutschen vor Überfremdung wirkliche Integration noch immer behindert – heute genauso wie in den letzten 6 Jahrzehnten.

Andreas Kossert hat ein Buch verfasst, das mehr ist als eine weitere Dokumentation über ein Thema, von dem viele Menschen entweder nichts wissen wollen, es abgespalten haben oder noch immer nicht in ihrer Geschichte zulassen möchten. 

Er gibt eine gut recherchierte Übersicht über die Nachkriegszeit ab 1945, bezogen auf die Integrationsversuche von 14 Millionen vertriebenen und geflohenen Menschen aus dem Osten. Herkunft und Weg dieser Menschen in den Westen, ihre Ankunft, Aufteilung und Unterbringung, die Traumatisierungen, Missverständnisse und Vorurteile (“wieso können die so gut Deutsch?”). Das Wirtschaftswunder im Westen und die verschwiegenen 4 Millionen Vetriebenen in der damals sowjetisch besetzten Zone und der DDR. Politik und Vertriebenenverbände, der Wandel der Kirchen, das kulturelle Erbe, Flucht, Vertreibung und Vertriebene in der Literatur und den Medien. Der “Revanchismus der Ewiggestrigen” in der Gegenüberstellung der Integrationserfolge.
Und immer wieder: Das große Tabu bei “Einheimischen und Vertriebenen” über das Erleben und die psychischen Folgen über die Generationen hinweg zu kommunizieren.

Der Anhang des Buches ist allein über 70 Seiten lang. Kossert gibt detailliert Quellen-, Bildnachweise und Personenregister an.

Dieses Buch war für mich eine wahre Fundgrube. Es beantwortet mir viele der Fragen, die ich den bereits verstorbenen Zeitzeugen meiner Familie nie gestellt habe – oder nicht stellen durfte?

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