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Sep 04 2009

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B. Rapp

Charlottes Traum | Gabi Kreslehner | Buchbesprechung

Abgelegt unter Allgemein

Mit viel Vorfreude habe ich dieses Büchlein gelesen. Sehr gespannt war ich auf diese Ich-Erzählung der fast 15 jährigen Charlotte, da es doch die Themen Trennung / Scheidung / neu zusammengesetzte Familien betrifft, denen wir in unserer Praxis auch in vielfältiger Weise begegnen.

Nur kurz zum Inhalt:

Charlottes Eltern trennen sich. Das gemeinsame Familienhaus, an dem die Protagonistin sehr hängt, wird verkauft, die drei Geschwister ziehen mit der Mutter vorübergehend bei der Großmutter ein. Der Vater zieht mit seiner neuen Freundin, die gleichzeitig seine ehemalige Sekretärin ist, in eine Wohnung und bekommt mit ihr ein Kind.

Charlotte muss das 9. Schuljahr wiederholen, behauptet sich gegen Mobbingattacken von Mitschülerinnen, verliert ihre beste Freundin, gewinnt neue Freunde und erlebt schließlich selbst zum ersten mal verliebte Gefühle.

Die Sprache, die von Charlotte benutzt wird, ist sehr einfach. Schnell werden Themen und Situationen von ihr abgehandelt, geschildert. Nichts erscheint wirklich dramatisch oder überwältigend. Man darf sehen, dass sie eine ganz „normal Pubertierende“ ist, die zeitgemäß durch heftige Gefühlsschwankungen geht und über ein gutes emotionales Netzwerk verfügt. Die Eltern sind, ihrer eigenen Situation entsprechend, zwar nicht immer aufmerksam und ansprechbar, verlieren aber nie wirklich den Blick und den Kontakt zu ihr. Es scheint, als hätten sie frühzeitig in Charlottes Entwicklung dafür gesorgt, dass sich ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstvertrauen zur Bewältigung schwieriger Situationen gut entwickeln konnte.

Neben den teils oberflächlichen, teils humorvollen Beschreibungen haben mich einige Textstellen sehr berührt. Wenn Charlotte vor dem verkauften Familienhaus steht und einen Dialog mit „ihrer Ulme“ führt, die den Namen „Erdbeerbaum“ trägt. Wenn sie uns zum Zuschauer werden lässt bei ganz nahen, intimen und nährenden Momenten im Kontakt mit ihrem Vater oder ihrer Mutter, wenn sie zur “Trösterin” der jüngeren Brüder wird. Wenn sie ihren gestressten und übernächtigten Vater fragt: „Bist du JETZT glücklich?“ und als dieser keine Antwort gibt sie ihn anbrüllt „hat es sich denn wirklich gelohnt, uns alle zu verlassen?“

Ich finde das Buch lesenswert. Diese Trennungsgeschichte aus der Sicht einer Jugendlichen kann ein beispielhaftes Modell für das weitere Gelingen von Entwicklung sein, trotz dieses heftigen Lebenseinschnittes.

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