/>

Archiv für das Tag 'Trennung'

Jun 04 2010

Profile Image of B. Rapp
B. Rapp

Ankündigung | ab Juli

Unsere Erfahrungen aus den Gruppen mit Kindern, die Trennung/Scheidung in ihren Familien erleben , haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, auch Eltern eine Möglichkeit anzubieten, sich mit Gleichbetroffenen in einem geschützten Raum austauschen zu können.

Das Erleben in Gruppen, wo ähnliche und unterschiedliche Geschichten und Umgangsformen zusammen treffen, wirkt entlastend und lassen neue Wege und Perspektiven zu.

Dieses Angebot richtet sich nun insbesondere an Frauen, die in einem Trennungsprozess fest stecken, die nach einer Trennung neuen Mut und Kraft für zukünftige Beziehungen schöpfen möchten, die einen geschützten Raum brauchen, um über ihre eigene Wut, Ängste und Sorgen laut nachdenken wollen.

Diese Angebotsform gilt selbstverständlich auch für Väter! Bei genügender Nachfrage und Anmeldung (mind. 6 Männer) starten wir auch wieder eine Vätergruppe.

Die Gruppentreffen finden im 14 tägigen Abstand für ca. 2 Stunden statt. Wenn Sie Interesse zur Teilnahme an diesem Angebot haben, nehmen Sie bitte über das Kontaktformular oder Anruf Kontakt zu uns auf. Sie erhalten dann weitere Informationen.

2 Kommentare

Mai 05 2010

Profile Image of B. Rapp
B. Rapp

Ehekrieg | Verstrickung & Lösung

Nachdem die Phase der Verliebtheit erfolgreich überstanden ist, sind Paare angekommen in der Zeit der Paarbeziehung, wo der/die PartnerIn nicht mehr idealisiert werden kann. Alle Eigenarten, alle vermeintlichen Schwächen rufen nur noch wenig Toleranz hervor und es werden Versuche gestartet, den Partner einer Umerziehung zu unterziehen.

“Was tun Sie”, wurde Herr K. gefragt, “wenn Sie einen Menschen lieben?”

“Ich mache einen Entwurf von ihm”, sagte Herr K., “und sorge, dass er ihm ähnlich wird.”

“Wer? Der Entwurf?”

“Nein”, sagte Herr K.,”der Mensch.”

Schaffen Paare es nicht im Sinne dieses Berthold Brecht-Zitates inne zu halten und ihre Situation gemeinsam zu überdenken, kann dies weitreichende Folgen haben. Viel Energie wird verschwendet für chronisches Debattieren. Streiten führt zu heftigen Eskalationen. Schließlich kündigen fortdauernder Kampf, Gewalt und Kriegsführung die Trennung an. Wird jetzt die Meinung „Wenn doch nur der/die Andere sich geändert hätte“, aufrecht erhalten, lässt sich leicht eine Prognose für zukünftiges Scheitern der nächsten Paarbeziehung stellen. Es kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Wiederholung dieses Kreislaufs: Verliebt sein und die Faszination einen neuen Menschen kennenzulernen und lieben zu wollen. Schließlich wird der gleiche Punkt des Wunsches nach Umerziehung erreicht: „Wenn er/sie doch bloß anders wäre“.  Der Kreislauf beginnt von Neuem.

Manche andere haben die Nase voll von wiederholendem Beziehungsärger und der anstrengenden Beziehungsarbeit. Sie beschließen als Single allein zu bleiben.

Entscheiden sich Paare gegen Auseinandersetzungen und für ein paralleles Leben, dann  geht es weder mit noch ohne einander. Beim “alleine zu zweit leben” halten die Partner ein hohes Spannungsniveau auf lange Zeit aus. Eine vermeintliche Ruhe in der Partnerschaft trügt. Persönliche Weiterentwicklung kann sich auch hier nicht frei entfalten, da viele Facetten des notwendigen Erlebens quasi auf Eis liegen.

Egal, welcher Weg in Krisenzeiten eingeschlagen wird, hilfreich ist Unterstützung und Anteilnahme durch Beratung. Hier kann Reflektieren des eigenen Verhalten, Herausfinden von Zielen und Sinn für das eigene Leben und die Partnerschaft in geschütztem Raum begleitet werden.

Keine Kommentare

Mrz 08 2010

Profile Image of B. Rapp
B. Rapp

Kosten und Nutzen eines Paarberatungsprozesses

Viele Paare erzählen, wenn sie in Beratung kommen, dass sie das Ziel haben herauszufinden, ob sie sich trennen sollen. Sie berichten, dass sie in der Vergangenheit schon mehrmals an diesem Punkt angelangt waren. Die Entscheidung, ein klares inneres Nein gegen das ehemals innere Ja für die Partnerschaft zu setzen, zeigt, in welch gewaltigem Kraftakt sie sich befinden. Er ist mit sehr viel Nachdenken, Energieverlust, negativen Gefühlen und Zeitaufwand verbunden und die Kraft hat bisher nicht ausgereicht, zu einem eindeutigen Ergebnis und Handeln zu kommen.

Es gibt viele gute Gründe, die sich abzeichnenden Veränderungen im Leben der Beziehungspartner mit wiederholenden Anläufen anzugehen. Kein Mensch verändert sich gerne. Jeder erhält am liebsten den status quo, in dem er lebt aufrecht. Gemeinsamen Kinder, wirtschaftliche Abhängigkeit, Trauer um das gescheiterte Lebensmodell sind die wichtigsten Gründe.  Wird das Erleben im miteinander dann immer unerträglicher, folgen manchmal unterschiedliche Lösungsmodelle, um die Situation erst einmal abzumildern. Das können Liebesaffären sein, um sich vermeintlich emotional mal wieder satt zu machen. Das kann die Flucht in die Arbeit sein, um gemeinsamer Zeit aus dem Weg zu gehen. Das kann ein innerer und äußerer Rückzug sein, um den Anderen an seinem Leben nicht mehr teilhaben zu lassen. Auch Krankheiten oder sogenannte auffällige Kinder werden manchmal als Umgehungskreislauf genutzt. All dies sind hohe Preise, die die Partner auf sich nehmen, bevor sie sich in der Lage fühlen, über sich und ihre Beziehung wirklich ernsthaft nachzudenken.

Es ist auch nicht von der Hand zu weisen: Paarberatung

  • beinhaltet eine Investition an Zeit, Energie und Geld
  • beinhaltet ein großes Risiko, da das Ergebnis manchmal lange Zeit offen bleibt und dies ausgehalten werden muss
  • beinhaltet die Bereitschaft vergangene Verletzungen anzuschauen und zu bearbeiten und Versöhnung zuzulassen
  • ist die Bereitschaft, mehr über sich selbst und den Partner erfahren zu wollen, als das, was man schon zu wissen glaubt
  • ist nicht nur die Arbeit an der Beziehung, sondern hauptsächlich an sich selbst, mit dem Gewinn, den Partner viel intensiver kennen zu lernen und sich selbst besser zu verstehen

Paare, die den Aufwand und die Arbeit eines unterstützenden Beratungsprozesses auf sich genommen haben berichten, dass sie vor allem viel gelernt haben über sich selbst und ihre eigene Beziehungsfähigkeit. Das sie es geschafft haben, nicht nur ihre persönliche Entwicklung, sondern auch die Partnerschaft als Entwicklungsprozess zu sehen, dessen Gestaltung gelernt werden kann.

Unabhängig ob am Ende des Beratungsprozesses eine Trennung oder eine Wiederannäherung stattgefunden hat, das Erleben von verstanden worden sein, entschleunigt zu haben, aus dem Gefühlschaos ausgestiegen zu sein und sich im Selbstwert wieder gestärkt zu fühlen, benennen beide Partner gleichermaßen als Gewinn. Ihr Mut ist gewachsen entweder für ein ICH UND WIR neu einzustehen, oder für den Schritt in einen Abschied mit dem anstehenden Trauerprozess. Auf jeden Fall ist der Mut für neue Schritte vorhanden.

Keine Kommentare

Feb 28 2010

Profile Image of E. Bohrisch
E. Bohrisch

Scheidung oder Paarberatung?

Irgendwann entscheiden viele Paare, dass sie auf Dauer zusammenleben wollen. Sie planen eine gemeinsame Zukunft, sie denken über Kindern nach, eventuell bauen sie gemeinsam ein Haus. Wie beim Aufbruch zu einer Urlaubsreise ist das Paar in Hochstimmung, voller Optimismus für die gemeinsame Zukunft. Manche heiraten, manche entschließen sich, ohne diese Rechtsform den Rest ihres Lebens zusammenzubleiben.

Nach den ersten 2-3 Jahren kehrt der Alltag unübersehbar zurück. Gewohnheiten und Eigenarten des Partners, der Partnerin, die im Zustand des Verliebtseins übersehen wurden, beginnen zu ärgern und zu nerven. Das Paar versucht sich wechselseitig zu erziehen. Das ist jedoch immer vergeblich. Welcher erwachsene Mensch will sich schon umerziehen lassen, der andere wird vielmehr als kleinlich, spießbürgerlich oder gar gemein erlebt. Verschärft wird das Ganze durch steigenden Stress im Alltagsleben, durch Karrieren, Schwangerschaften und Geburt eines Kindes. Gelingt es jetzt nicht, in einen fruchtbaren Austausch zu gelangen, kommt es zu einer bedrohlichen Krise.

Die Partner denken darüber nach sich trennen. Der Versuch, gemeinsam einen Neubeginn zu versuchen, sich auf das zurück zu besinnen was zum Verliebtsein geführt hat, was die Partner aneinander anziehend und liebenswert fanden, wird nicht unternommen. Da man sich gegenseitig als rücksichtslos und lernresistent erlebt hat, scheint die Trennung eine schnellere Lösung zu bieten. Sie ist jedoch mit großen Schmerzen, mit Streit und meist auch mit erheblichen finanziellen Kosten verbunden.

Die Alternative ist, dass das Paar sich miteinander auf den Weg macht und gemeinsam einen Neuanfang wagt. Sicher ist der Erfolg auch hier nicht ohne Kosten an Zeit, Schmerzen und Enttäuschungen zu erreichen. Das gilt übrigens für jedes Lernen. Der Gewinn liegt jedoch neben der Chance auf eine gemeinsame erfüllte Zukunft in einem Mehr an Lebenserfahrung und persönlicher Reife. Viele Paare bewältigen diesen gemeinsamen Lernprozess, indem jeder seine eigenen Fehler selbst ändern muss, ohne fremde Hilfe. Häufig ist jedoch fachliche Hilfe durch Beraterinnen und Berater angezeigt. In ihrer Begleitung ist der Lernprozess des Paares meistens kürzer und auch erfolgreicher.

Paarberatung und Eheberatung findet man in öffentlichen Beratungsstellen und in Praxen wie der unseren.

Keine Kommentare

Jul 16 2009

Profile Image of B. Rapp
B. Rapp

Trennungs-/Scheidungs Kindergruppe | Ein Bericht

Die Lebensberatungsstelle Bad Kreuznach hat mit der Unterstützung des Mehrgenerationenhauses, der Familienbildungsstätte und der Jugendämter Bad Kreuznach zum wiederholten male diese Gruppe mit großem Erfolg ausgerichtet.

Das Gruppenangebot der TSK-Gruppe richtet sich an Kinder und Eltern von Trennungsfamilien, sowie neue Partnerinnen und Partner. Bei 12 wöchentlichen Gruppentreffen, Vor- und Nachbereitung dauert das gesamte Projekt ca. 5-6 Monate. Das Angebot bietet Bewältigungsstrategien auf verschiedenen Ebenen der Familie an. Durchgeführt werden die Kurse von zwei systemischen Familientherapeutinnen.

Nach der Regelung der institutionellen Rahmenbedingungen, Kostenplan und Festlegung aller Termine für die TSK-Gruppe informieren wir Presse und Fachkollegen vor Ort.

Da die Gruppengröße auf 6-7 Kinder beschränkt ist, gibt es mehr Anfragen als wir annehmen können. Unsere letzte Gruppe bestand aus sieben 8-10 jährigen Mädchen und Jungen.

Das Anmeldeverfahren

Nachdem ein Elternteil Kontakt mit uns aufgenommen hat findet ein Aufnahmegespräch statt. Wir klären, ob beide Eltern gemeinsam kommen können, bei Hochstrittigkeit der Eltern laden wir getrennt ein und nehmen gegebenenfalls selbst den Kontakt zum anderen Elternteil auf. Es ist wichtig, dass die Kinder sicher sind, dass Vater und Mutter wissen und unterstützen, dass sie in diese TSK-Gruppe gehen. Wir möchten beide Eltern kennen lernen, etwas über ihre Beziehung zum Kind und ihre Sichtweisen zur Trennungsgeschichte erfahren.

Ablauf des ersten Elterngesprächs

Wir bitten die Eltern, erst aus ihrer eigenen Sicht und möglichst auch aus der Sicht ihres Kindes diese Krisenzeit in Bezug auf Belastungen, Veränderungen im Verhalten, Schule, soziale Kontakte, Freizeit und Freunde zu beschreiben. Wir möchten wissen, welche Wünsche das Kind wohl selbst haben könnte, bzw. sie als Eltern für ihr Kind haben und was am Ende der Gruppenzeit anders sein soll.

Wir geben den Eltern Informationen über den Ablauf der Gruppenstunden und die Gruppenthemen, den Elternabend und die regelmäßig durchgeführten Mütter- und Vätertreffen.

Nach erfolgreicher Anmeldung schicken wir den Kindern ca. eine Woche vor Gruppenbeginn einen Brief, indem wir uns vorstellen und sie zum ersten Gruppentreffen einladen.

Durchführung der Gruppenstunden für die Kinder

Es ist uns wichtig den Kindern mit einer äußeren Rahmung Sicherheit und Verlässlichkeit in der Zeit ihrer großen Orientierungslosigkeit zu bieten. Deshalb legen wir großen Wert darauf, die Struktur der Gruppenstunden stets nach einem ähnlichen Muster ablaufen zu lassen. Es gibt die Sequenzen Ankommen und Begrüßung im Flur, Ankommen im Gruppenraum auf dem eigenen Platz, Gruppenspiel, thematisches Arbeiten. Pause mit Getränken, Obst und Keksen, um die dort informelle Kontaktmöglichkeit der Kinder untereinander zu ermöglichen und Spiel oder Wahrnehmungsübungen, Verabschiedung.

Inhalte/Ziele der Gruppenzeit

  • Kennenlernen und in Kontakt gehen

  • Aus einer Familie werden zwei Familien, veränderte Wohn- und Lebensräume, neue Partner der Elternteile und deren Kinder, Anerkennung unterschiedlicher Lebensmodelle

  • Umgang mit und Ausdrucksmöglichkeiten von Gefühlen, sicherer Ort, Selbstregulierung

  • Realistische und unrealistische Wünsche, aussprechbare und unaussprechbare Wünsche im Zusammenhang ihrer derzeitigen Familiensituation

  • Wertschätzung, Ehrung, Würdigung jedes einzelnen Kindes (z.B. „Spielleiter“, „Krönungszeremonie“, „ich mag an dir“ – Karten) und Respekt gegenüber den anderen Kindern und GruppenleiterInnen

  • Perspektiverweiterung und Empathie

  • Planung und aktive Gestaltung des Abschieds von der Gruppe

Die oben genannten Themen bilden einen relativ lockeren roten Faden für den Ablauf der Gruppenzeit. Wir wissen um unsere Ziele, arbeiten prozessorientiert und lassen uns auf die Kinder ein. Wir reagieren situativ auf das, was sie uns aktuell an Verhalten zeigen und mitbringen.

Beispiel zum Inhalt der ersten Gruppenstunde

Nach der Begrüßung aller Kinder bereits im Flur betreten wir gemeinsam den vorbereiteten Gruppenraum. Er bietet genug Platz, dass wir mit Matten einen großen Stern legen können, so dass für jedes Kind ein „kleines Feld“ als eigener Raum auf dem Boden zur Verfügung steht. Dieser Platz ist groß genug zum Sitzen, Liegen, Alleine-sein oder jemanden zu sich einzuladen. Dieser eigene Raum wird in der ersten Stunde intensiv „erkundet“. Seine Grenzen und Begrenzungen, d.h. Länge, Breite, Höhe, vorne – hinten, werden körperlich durch die Bewegungen der Kinder erfahren und mit Stimme und Körpersprache („Halt! Auf meine Matte nicht!“ und/oder „Ich möchte Dich gerne zu mir einladen“) als persönlicher Raum eingenommen.

Jedes Kind sucht sich eine farbige Arbeitsmappe für die zu sammelnden eigenen Materialien aus (Bilder, Texte, Karten, Fotos) und ein farbig dazu passendes Tuch, das in allen folgenden Stunden als persönliches Kennzeichen den eigenen Platz markiert.

Schon hier wird einer der wichtigsten Schwerpunkte unserer Arbeit deutlich. Wir bieten den Kindern viel Raum zur Körperwahrnehmung an. Sie lernen sich selbst zu spüren. Die eigenen Grenzen und Wirksamkeiten und die der anderen Kinder wahrzunehmen und zu respektieren stärkt Selbstvertrauen und Selbstverantwortung.

Im Bewegungsspiel erfahren wir sehr viel über die Kinder und kommen schnell an ihre Fähigkeiten und Ressourcen, an denen wir in den folgenden Gruppentreffen methodisch weiter arbeiten.

Beispiel zum Inhalt der ca. vierten Gruppenstunde

Kinder mit einem hohen Aggressionspotential oder starker Gehemmtheit, bzw. Rückzugsverhalten profitieren davon, wenn sie im „Spiel“ die Erlaubnis bekommen zu toben, treten, boxen, schlagen und schreien. Sie dürfen sich dabei als „richtig“ erleben und werden „angefeuert“, noch mehr „Kraft, Energie, Wut“ heraus zu lassen. In diesem “Parcours der Gefühle” erleben wir gerade bei diesen meist unverstandenen Kindern ein AHA-Erleben. Hier steigen sie mehr als die anderen Kinder sehr real in das Gefühl der Wut ein, fühlen sich gesehen, ernst genommen und spüren häufig zum ersten Mal nach einem solchen Ausagieren eine Erschöpfung, die als wohltuende Entspannung erlebt wird.

Das Spiel mit Farben, der Umgang mit dem eigenen Körperschema und Selbstbild, das Gestalten ihrer inneren Bilder mit Legematerialien, Interaktionsspiele, das Weitererzählen von Fantasie- und Trennungsgeschichten sind weitere wichtige methodische Elemente.

Mit der Sicherheit der Verschwiegenheit und dem sicheren Beziehungsangebot der Gruppenleiterinnen können die Kinder immer mehr aus der Anspannung des Loyalitätskonfliktes heraus treten. Das Miterleben der Geschichten, Wünsche und Sorgen der mit betroffenen Kinder in der Gruppe ermutigt sie, die eigenen schwierigen Themen zum Ausdruck zu bringen.

  • „Sie streiten ständig um mich, ich fühle mich total zerrissen, am besten ich gehe zu keinem von ihnen“. (Äußerung eines Kindes, nachdem es ein Selbstbild gemalt hat.)

  • „Ich will mehr über Mama wissen“ (Ein anderes Kind, nachdem es merkt, dass es beim Gestalten des Familienbildes einen Elternteil „vergessen“ hat.)

Wir besprechen mit den Kindern, welche Wünsche wir, die Gruppenleiterinnen, den Eltern im Abschlussgespräch mitteilen sollen und welche sie jetzt auch schon selbst mit ihnen klären können.

Den Kindern ist es wichtig zu wissen, dass ihre Eltern in der Zeit des Gruppenangebotes auch selbst an der Auseinandersetzung ihrer eigenen Trennungsgeschichte arbeiten. Sie fragen ihre Eltern „Gehst du zum Mütter/Väter Treffen?“, „Viele Grüße an ……!“ (gemeint ist die Gruppenleiterin). Von ihrer eigenen Arbeit in der Gruppe erzählen sie meist wenig. Die Eltern melden zurück, dass sie auf ihr Nachfragen kaum Antworten bekommen und merken, dass ihr Kind sich verändert. Die Kinder werden mutiger, deutlicher und präsenter im Umgang mit ihren Geschwistern, Lehrern, später auch gegenüber den Eltern. Das ist nicht immer angenehm, da Auseinandersetzungen und Streit auch zunehmen. Dies zu verstehen, auszuhalten und einen positiven Sinn darin zu sehen gelingt manchmal erst nach dem Austausch mit den anderen Müttern und Vätern.

Müttertreffen und Vätertreffen

Das Angebot ist freiwillig und wird von ca. 2/3 der Eltern angenommen. Die Treffen sind Gesprächskreise, die von den Teilnehmenden sehr schnell thematisch selbst gestaltet werden und dann von einer der Gruppenleiterinnen nur noch moderiert werden. Sie finden im 14 tägigen Abstand für ca. 2 Stunden statt und geben viel Raum für das eigene Erleben in der Beziehung zu ihren Kindern, dem Unterscheiden von Elternebene und noch unverarbeiteter Paarebene, der eigenen Wut, den Ängsten und Sorgen, Hochs und Tiefs der neuen Partnerschaften.

Genau wie in der Kindergruppe profitieren hier die Eltern von der Gruppe Gleichbetroffener, von ähnlichen und doch unterschiedlichen Geschichten und Umgangsformen.

Ein wichtiges Thema stellt jedesmal die Vorbereitung auf den Elternabend dar, der etwas nach der Mitte der Gruppenzeit statt findet und zu dem beide Elternteile schriftlich eingeladen werden. Das Wissen um das Zusammentreffen mit dem Ex-Partner und dass man mit Ihm/ihr noch die gemeinsamen Themen um das gemeinsame Kind hat, wird bei (noch) Hochstrittigkeit der Eltern auch ambivalent erlebt. Auch hier hilft die „eigene Gruppe“, zu stärken und zu ermutigen.

Elternabend

Wir Gruppenleiterinnen gestalten diesen Abend so, dass er ausschließlich Informationen über die inhaltliche Arbeit mit den Kindern bietet. Wir legen hier keinen Schwerpunkt auf Interaktion oder Austausch. Es wird auch nicht über einzelne Kinder gesprochen.

Die Eltern bekommen beispielhaft kleine Sequenzen aus unserer Arbeit vorgestellt, die ihre Kinder erfahren haben. Z.B. das Ankommen im fremden Raum, Demonstration des „Parcours der Gefühle“, Wertschätzung des eigenen Platzes anhand eines symbolischen Bildes, Vorstellung der Geschichte „Conni’s Eltern trennen sich“, usw. Unser Ziel ist es hier, die Eltern ins eigene Erleben zu führen und für das Erleben ihrer Kinder zu sensibilisieren.

Abschlussgespräch mit den Eltern

Gemeinsam oder getrennt finden am Ende der TSK-Gruppe Abschlussgespräche statt.

Wir fragen die Eltern nach den Auswirkungen der Gruppe auf die einzelnen Familienmitglieder und insbesondere auf das teilnehmende Kind. Was sich zu Hause verändert hat und ob ihre Wünsche für das Kind erreicht wurden.

Wir berichten über unsere Eindrücke und das, was wir über das Kind gelernt und was wir verstanden haben. Seine Stärken und Fähigkeiten, Bewältigungsstrategien und Selbstregulierungsmechanismen, über Autonomiewünsche, Empathiefähigkeit und über die grundsätzliche Akzeptanz von Kindern, sich auf neue Lebensmodelle positiv einzustellen.

Manchmal kommt es zu Empfehlungen für die Familie noch eine Zeit lang Beratungsunterstützung in Anspruch zu nehmen. Wir leiten dann das weitere Vorgehen in die Wege.

Fazit und Ausblick

Die Kinder profitieren sehr direkt von der TSK-Gruppe. Ihre Fähigkeit spontan mit Stimmungen und Handlungen auf Situationen zu reagieren und sie noch nicht kognitiv zu kontrollieren, führen im Verlauf der TSK-Gruppe schnell zum Wachstum von Ich-Stärke, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit. Dies gilt es nun auf Dauer in den Familienalltag zu integrieren und braucht die Unterstützung der Eltern und neuen Familien.

Für viele Eltern ist die Mitarbeit in der Trennungs-Scheidungs-Gruppe der erste Kontakt zu beratender Unterstützung. Sie erfahren, dass Kooperation und die Anteilnahme an jedem Familienmitglied entlastend wirkt und dass eingefahrene belastende Dynamiken auflösbar sind. Haben sie im Prozess ein Verstehen über ihr Kind und sich selbst wahrnehmen können, so ist Nachhaltigkeit und Intergation der positiven Veränderungen am besten möglich.

Elternteile mit neuen Partnern äußern manchmal deren Wunsch, für sie stände auch noch ein Platz in dem Prozess der Gruppenzeit zur Verfügung. Ich selbst halte dies als systemisch arbeitende Beraterin natürlich für sehr sinnvoll. Die neuen Partner haben eine wichtige Beziehungsfunktion für die Kinder und manchmal auch Anteil daran, wie die Eltern nach der Trennung/Scheidung in Kontakt miteinander sind . Eine Realisierung (Kosten- und Zeitaufwand) konnten wir bis auf wenige Einzelfallausnahmen bisher jedoch noch nicht umsetzen.


Zusammenfassung:
Sieben 8-10 jährige Kinder und zwei Gruppenleiterinnen feierten zusammen Abschied nach einer fast 4-monatigen gemeinsamen Gruppenzeit. Die Kids haben sich in dieser Zeit mit der Trennung/Scheidung ihrer Eltern intensiv auseinander gesetzt.

4 Kommentare